Bei vielen Versicherten herrscht Unklarheit über Kosten und Sinn von Leistungen, die sie selbst bezahlen müssen.

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Die Messung des Augeninnendrucks zur Vorsorge und Früherkennung eines Glaukoms ist eine beliebte Igel-Leistung.

Die Messung des Augeninnendrucks zur Vorsorge und Früherkennung eines Glaukoms ist eine beliebte Igel-Leistung.

dpa

Die Messung des Augeninnendrucks zur Vorsorge und Früherkennung eines Glaukoms ist eine beliebte Igel-Leistung.

Berlin. Viel Werbung, wenig Aufklärung: Patienten werden laut einer Umfrage vom Arzt zu spärlich über Selbstzahlerleistungen aufgeklärt. So habe bei jedem vierten Fall vorab eine Kosteninformation gefehlt, berichtete der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) am Montag unter Berufung auf eine bundesweite Online-Umfrage, an der sich mehr als 1700 Verbraucher beteiligt hätten.

Nur jeder Vierte (23 Prozent) erinnerte sich demnach daran, über Risiken aufgeklärt worden zu sein. Über den Nutzen fühlte sich nur jeder Zweite informiert. Mit den fraglichen Individuellen Gesundheitsleistungen, kurz Igel, setzen Arztpraxen in Deutschland nach Angaben des VZBV jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro um.

Bundesärztekammer kritisiert die nicht repräsentative Umfrage

„Viele Ärzte nutzen das Vertrauen der Patienten aus, wenn sie vom Helfer zum Verkäufer werden“, sagte Verbandsvorstand Gerd Billen. Er forderte die Bundesregierung auf, das derzeit im parlamentarischen Verfahren befindliche Patientenrechtegesetz nachzubessern. Der Igel-Bereich solle strengeren Regeln unterliegen.

„Verbraucher werden nicht dadurch geschützt, dass Verbraucherschutzorganisationen diffuse Studien und spekulative Hochrechnungen zu individuellen Gesundheitsleistungen veröffentlichen“, kritisierte der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Frank Ulrich Montgomery die nicht repräsentative Umfrage. Der VZBZ liefere keine Fakten.

Kaum Beschwerden von Patienten bei Ärztevereinigung

„Man darf die Igel-Leistungen nicht per se verteufeln“, sagte Robert Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, unserer Zeitung. Sie seien in vielen Fällen sinnvoll, der Arzt berate den Patienten unter medizinischen Gesichtspunkten. „Wenn Ärzte nur aus rein ökonomischer Sicht Leistungen verkauften, würden sie das Vertrauen der Patienten verspielen“, sagte Stahl. Deshalb sollten Ärzte sorgsam mit Igel umgehen, mahnte er.

Spitzenreiter bei den Leistungen sind laut der Umfrage Glaukomfrüherkennung (Grüner Star), Ultraschall, PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs und zahnärztliche Behandlungen.

Der Begriff Igel ist bei Zahnärzten nicht üblich. „Patienten müssen bei Zahnärzten für viele Leistungen extra dazubezahlen, weil die Krankenkassen nur einen Standard bezahlen“, sagte Dr. Reiner Kern, Sprecher der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, auf Anfrage. „Das ist kein Marketing der Zahnarztpraxen.“

Beschwerden von Patienten gebe es bei beiden Kassenärztlichen Vereinigungen nur sehr vereinzelt. dpa/mgu

 

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