Zufallsgenerator wählt Haushalte aus
Ein Zufallsgenerator wählt die Haushalte aus, die direkt befragt werden sollen. Wen es trifft, der muss mitmachen.

Ein Zufallsgenerator wählt die Haushalte aus, die direkt befragt werden sollen. Wen es trifft, der muss mitmachen.

Warnecke/dpa/tmn

Ein Zufallsgenerator wählt die Haushalte aus, die direkt befragt werden sollen. Wen es trifft, der muss mitmachen.

Wiesbaden (dpa/tmn) - Deutschland macht Inventur: Anfang Mai werden im Rahmen der Volkszählung sowohl die Zahl der Einwohner, als auch deren Lebensverhältnisse erfasst. Direkt befragt werden zwar nicht alle. Doch wenn der Interviewer klingelt gilt: Mitmachen ist Pflicht.

Am 9. Mai beginnt die erste gesamtdeutsche Volkszählung. Für den Zensus 2011 sollen knapp acht Millionen Einwohner dem Staat Auskunft geben über ihre Wohn- und Lebensverhältnisse. Die statistischen Ämter von Bund und Ländern haben das Heft in der Hand, die Kommunen kümmern sich um die Interviews. Angewendet wird ein auf Stichproben basierendes Verfahren. Ein Überblick über wichtige Fragen:

Was unterscheidet sich zu früheren Volkszählungen?

Diesmal führen die Statistiker im Wesentlichen Daten verschiedener Behörden und der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Bürger bekommen dies kaum mit. Das registergestützte Verfahren halten Statistiker für weniger aufwendig als frühere Volkszählungen, bei denen jeder einzelne Einwohner befragt wurde. Diesmal werden Haushalte stichprobenartig befragt.

Wie funktioniert der Zensus?

Ein Zufallsgenerator wählt die Haushalte aus, die direkt befragt werden sollen. Diese bekommen zwischen dem 9. Mai und dem 2. August Besuch vom Interviewer. Er bringt den Zensus-Fragebogen mit. Den müssen alle ausfüllen, die an dem Tag in der Wohnung sind. «Lebt dort jemand, ohne gemeldet zu sein, wird das genauso vermerkt wie ein eventuell vergessener Auszug», erläutert Sabine Haase, die Leiterin der Erhebungsstelle der Stadt Offenbach. Die ausgefüllten Bögen werden in den Kommunen gesammelt, per Post an die statistischen Landesämter geschickt und dort ausgewertet. Der Ablauf ist in jedem Bundesland gleich.

Was wollen die Volkszähler wissen?

Neben persönlichen Daten werden Angaben zu Bildung, Beruf, Religion, Staatsangehörigkeit und Migrationshintergrund abgefragt. «Die Angabe zu einem Glaubensbekenntnis ist freiwillig, die Angabe zu einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft, darunter verstehen wir die großen Kirchen und die jüdischen Gemeinden, ist jedoch verpflichtend», sagt Sabine Bechtold, Leiterin des Zensusprojekts beim Statistischen Bundesamt. Immobilienbesitzer werden nach Ausstattung, Größe, Zahl ihrer Wohnungen gefragt und müssen angeben, wer in ihren Wohnungen lebt. Diese Auskünfte haben mit der Haushaltsstichprobe nichts zu tun.

Wer ist als Interviewer unterwegs??

Viele Kommunen setzen ihre Mitarbeiter, Wahlhelfer, Rentner oder Studenten ein. Ausgeschlossen sind Polizisten, Mitarbeiter der Finanz-, Sozial-, Ausländer- und Meldeämter, Versicherungsvertreter und Marktforscher. Das soll Interessenskonflikte vermeiden. Niemand muss den Helfer, der eine Aufwandsentschädigung vom Staat bekommt, in die Wohnung lassen.

Wie wird der Fragebogen ausgefüllt?

Es gibt laut Sabine Haase drei Möglichkeiten: «Entweder sofort zusammen mit dem Interviewer, allein oder elektronisch im Internet.» Auf dem Bogen ist ein Code mit den Zugangsdaten für das Internet aufgedruckt. Das Ausfüllen dauert etwa 15 Minuten. Eltern müssen die verlangten Auskünfte auch für ihre Kinder geben.

Muss jeder mitmachen?

Das Zensusgesetz verpflichtet jeden vom Baby bis zum Greis und jedes Wohnungsunternehmen teilzunehmen. Wer sich weigert, bekommt ein Zwangsgeld von bis zu 5000 Euro aufgebrummt. «Die Kommunen kontrollieren den Rücklauf; Säumige werden erinnert,» erklärt Haase. Um Ärger zu vermeiden, verschickten Städte und Gemeinden vorab Infomaterial. Außerdem kündigten die Helfer ihren Besuch schriftlich an. Bürger können auch einen Termin vereinbaren. Letztes Datum ist der 2. August 2011.

Wird der Datenschutz gewährleistet?

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz hat den Zensus mitgeplant und wird ihn «kritisch begleiten». Unter anderem achten er und seine Kollegen in den Ländern darauf, dass «keine Erkenntnisse über Einzeldaten» an Polizei, Finanz-, Sozial-, Ausländer- und Meldeämter weitergeleitet und mit deren Unterlagen verglichen werden. Die Kommunen haben aus Datenschutzgründen spezielle Erhebungsstellen eingerichtet. Sie arbeiten getrennt von anderen Ämtern.

Wer greift wie lange auf die Daten zu?

Zuerst die Statistiker, später Bundesländer, Kommunen und Wissenschaftler. Bürgern sollen die Zensus-Ergebnisse kostenlos im Internet einsehen können. «Rückschlüsse auf einzelne Menschen oder Wohnungen werden nicht möglich sein», erläutert Sabine Bechtold. «Die kleinste Einheit sind Straßenzüge.» Ende 2012 soll als Erstes die amtliche Bevölkerungszahl veröffentlicht werden. Daten wie Name und Anschrift, anhand derer Menschen identifiziert werden können, müssen nach spätestens vier Jahren gelöscht werden. Das Ziel dafür sind zwei Jahre.

Service:

Das Statistische Bundesamt und der Bundesdatenschutzbeauftragte haben im Internet umfangreiches Informationsmaterial zum Zensus 2011 veröffentlicht. Dort können Musterfragebögen eingesehen werden.

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