Düsseldorf. Was wird aus der Euro-Krise? Habe ich mein Geld richtig angelegt? Soll man Aktien verkaufen oder halten? Bei der gestrigen WZ-Telefonaktion mit dem Bundesverband deutscher Banken gab es viele Fragen. Rede und Antwort standen unseren Lesern Nicole Wittinghofer, Thomas Köllner, Marc Stoll und Oliver Weber. Die vier Experten vom Bankenverband hatten keine zwei Stunden lang keine ruhige Minute.

Muss ich mir Sorgen machen wegen der Euro-Krise?

Wir haben eigentlich keine Krise der Euro-Währung, sondern eine Krise bei den Staatsfinanzen einiger EU-Staaten. Der Euro ist nicht schwach, sondern eine stabile Währung. Die Inflationsrate ist seit der Einführung des Euro sogar niedriger als sie es zu Zeiten der D-Mark im Schnitt gewesen ist.

Ich bin 78 Jahre alt und habe seit vielen Jahren einen großen Betrag in Aktien eines großen deutschen Unternehmens angelegt. Ansonsten besitze ich keine weiteren Anlagen. Soll ich die Aktien jetzt mit Gewinn verkaufen?

Wer wie Sie sein Geld nur in einen einzigen Aktienwert investiert, geht ein hohes Risiko ein. Entwickelt sich das Unternehmen schlecht, müssen Sie mit kräftigen Wertverlusten rechnen. Von daher ist es grundsätzlich besser zu verkaufen, Gewinne mitzunehmen und entsprechend der persönlichen Vorstellungen das Geld breit gestreut neu anzulegen.

Haben Sie einen heißen Tipp für mich für Aktienanlagen?

Nein, heiße Tipps haben wir nicht – hüten Sie sich vor Experten, die vermeintlich sichere hohe Gewinne versprechen. Die Börse ist unberechenbar. Wichtig bei der Aktienanlage ist eine breite Streuung auf verschiedene Werte aus verschiedenen Branchen, um Risiken zu mindern. Legen Sie auch nur Geld in Aktien an, das Sie langfristig entbehren können, um nicht in schlechten Börsenzeiten verkaufen zu müssen.

Ich bin über 80 Jahre alt, habe meine Ersparnisse zu 40 Prozent in Aktien und zu 60 Prozent in Anleihen und Immobilienfonds angelegt, sowie etwas Gold. Soll ich nun weiteres Geld in Aktien anlegen?

Der Aktienanteil ist, nicht zuletzt unter Berücksichtigung Ihres Alters, bereits recht hoch. Einen weiteren Aktienkauf sollten Sie deshalb sorgfältig überlegen. Letztlich hängt es von Ihrer persönlichen Risikoneigung und Ihren Anlagezielen ab, ob Sie zusätzliches Geld in Aktien oder festverzinslich anlegen möchten. Wenn Sie sich für Anleihen entscheiden, sollten Sie wegen der Gefahr von Zinssteigerungen Laufzeiten von maximal drei Jahren bevorzugen.

Ist ein Offener Immobilienfonds eine sichere Anlage?

Sicher sind Spar- und Termineinlagen, die umfassend durch Einlagensicherungsfonds geschützt sind. Auch Bundeswertpapiere gelten als sichere Anlagen, wobei zu berücksichtigen ist, dass Bundesanleihen an der Börse gehandelt werden und somit Kursschwankungen unterliegen. Offene Immobilienfonds investieren breit gestreut in verschiedene Immobilien. Immobilien gelten zwar als sicherheitsorientierte Anlagen, doch ihr Wert kann schwanken. Deshalb muss man auch bei Offenen Immobilienfonds mit Wertschwankungen rechnen.

Sind deutsche Aktien noch interessant?

Ja, trotz der bereits deutlich gestiegenen Aktienkurse ist die Bewertung vieler deutscher Aktien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis moderat geblieben, da auch die Gewinne der Unternehmen kräftig zugenommen haben. Die Aussichten für deutsche Aktien sind also weiterhin positiv. Attraktiv sind nicht zuletzt dividendenstarke Werte. Die Dividendrendite liegt oft über der Verzinsung von Anleihen. Das Wachstum in asiatischen Ländern dürfte deutsche Exportwerte weiterhin unterstützen. Aber nicht vergessen: Aktien sind Risikopapiere. Das Vermögen also immer vernünftig streuen.

Kann ich mit einer sicheren Anlage fünf Prozent Zins erhalten?

Nein, das Zinsniveau ist aktuell wesentlich niedriger. Mehr als zwei, eventuell auch etwa drei Prozent ist derzeit mit sicheren festverzinslichen Wertpapieren nicht möglich.

Was ist ein BRIC-Fonds?

BRIC steht für Brasilien, Rußland, Indien und China. Diese Länder haben gute Wachstumschancen. Ein BRIC-Fonds investiert in diese vier Länder. Als Beimischung kann so ein Fonds interessant sein.

Ist eine hohe Inflation zu befürchten? Gibt es eine komplette Geldentwertung?

Nein, eine vollständige Geldentwertung ist nicht zu befürchten. Die Kapazitäten vieler Unternehmen sind nicht ausgelastet, von daher droht kein Inflationsdruck. Zeitweise höhere Inflationsraten sind wohl durch steigende Rohstoffpreise und Nahrungsmittelpreise möglich. Eine „Hyperinflation“ ist jedoch nicht zu erwarten.

Wir haben seit rund zehn Jahren Aktienfonds, sollen wir die weiter halten?

Grundsätzlich ist der Aktienmarkt positiv. Überprüfen Sie aber, gemeinsam mit Ihrem Berater, ob die Fonds noch „zeitgemäß“ sind, das heißt wie die künftigen Aussichten einzuschätzen sind.

Aus meiner Lebensversicherung erhalte ich 100.000 Euro. Soll ich alles in Festgeld anlegen?

Die Festgeldzinsen sind sehr niedrig. Wenn Sie das Geld nicht kurzfristig benötigen, sollten Sie auch über andere Anlagen nachdenken. Bei größeren Geldbeträgen ist grundsätzlich eine breite Streuung empfehlenswert. Aufgrund der insgesamt guten Konjunkturaussichten kann bei langfristigem Anlagehorizont auch ein Teil Aktien beigemischt werden.

Mein Berater schlägt mir eine interessante Anlage vor, doch ich verstehe das angebotene Anlageprodukt nicht. Soll ich trotzdem zugreifen?

Lassen Sie sich die Anlage noch einmal genau erläutern. Grundsätzlich sollte man keine Anlage tätigen, die man nicht grundsätzlich auch verstanden hat.

Ich besitze verschiedene deutsche Aktien mit schönen Kursgewinnen, habe aber nun Angst, dass die Kurse wieder fallen. Was raten Sie mir?

Die Aussichten für den DAX (Deutscher Aktienindex) sind zwar positiv, aber wenn Sie Angst vor Verlusten haben, könnten Sie ein so genanntes Stop-Loss-Limit setzen. So werden die Gewinne bis zu diesem Limit gesichert. Sprechen Sie Ihren Bankberater darauf an.

Uns liegt das Prospekt einer Firmenanleihe mit sechs bis acht Prozent Zinsen vor. Die Zinsen sind ja attraktiv, wo ist der Haken dabei?

Wer so hohe Zinsen bieten muss, hat keine erstklassige Bonität. Denn dann könnte er günstiger, zu niedrigeren Zinsen Gelder bekommen. Firmenanleihen sind grundsätzlich mit einem so genannten Emittentenrisiko verbunden: Geht es dem Unternehmen schlecht, wird es zahlungsunfähig, sieht der Anleger sein Geld womöglich nicht mehr wieder. Also Vorsicht.

Wie lege ich 50.000 Euro für maximal 12 Monate sicher an?

Festgeld, Tagesgeld und Spareinlagen bieten hohe Sicherheit und sind für eine kurzfristige Anlage geeignet. Achten Sie auf die Einlagensicherung. In Deutschland sind Bankeinlagen seit Jahresbeginn bis zu 100.000 Euro pro Person nach dem Einlagensicherungsgesetz grundsätzlich voll geschützt.

Lohnen Bundesschatzbriefe zur Zeit?

Die hohe Sicherheit von Bundesschatzbriefen wird mit geringen Renditen erkauft. Interessante festverzinsliche Wertpapiere aus Schwellenländern wie beispielsweise Brasilien können je nach Risikotoleranz eine Alternative sein.

Aus einem Immobilienverkauf erhalten wir 300.000 Euro. Wir suchen eine Eigentumswohnung und wollen bis dahin das Geld vorübergehend anlegen. Sollen wir das Angebot annehmen, die 300.00 Euro je zur Hälfte als Tagesgeld mit drei Prozent und in Fonds anzulegen?

Vorsicht vor solchen Kombiprodukten. Der Tagesgeldzins ist zwar attraktiv, aber wenn Sie das Geld für einen kurzfristigen Eigentumswohnungskauf benötigen, sind Fonds nicht die richtige Anlage, da die Bank Ihnen nicht versprechen kann, dass der in Fonds angelegte Betrag zu dem entsprechenden Termin kurzfristig zur Verfügung steht. Festgelder dürften die bessere Wahl sein, auch wenn der Zins niedriger ist.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer