Bezahlen per Funk
Beträge bis 20 Euro sollen bald quasi im Vorbeigehen beglichen werden können. (Foto: Sparkasse)

Beträge bis 20 Euro sollen bald quasi im Vorbeigehen beglichen werden können. (Foto: Sparkasse)

dpa

Beträge bis 20 Euro sollen bald quasi im Vorbeigehen beglichen werden können. (Foto: Sparkasse)

Frankfurt/Main (dpa) - Das Bezahlen per Karte soll demnächst deutlich einfacher werden. Nach Kreditkarten-Unternehmen gehen jetzt auch deutsche Banken und Sparkassen mit einem eigenen System für kontaktlose Bankkarten mit Funkchip auf den Markt.

Die deutschen Banken und Sparkassen starten in diesem Jahr unter der Marke «Girogo» ein eigenes System zum schnellen Bezahlen per Karte mit Funkchip. Kunden sollen in Tankstellen, Buchläden und Supermärkten Beträge bis 20 Euro quasi im Vorbeigehen begleichen können, wenn sie ihre Bankkarte vor ein Lesegerät halten. An einem Pilotversuch im Raum Hannover, Braunschweig und Wolfsburg ab Mitte April beteiligt sich nun auch der Handelskonzern Edeka.

Bisher hatten unter anderem Esso-Tankstellen, der Buchhändler Thalia, die Süßwarenkette Hussel und die Textilhäuser von Appelrath-Cüpper ihre Kooperation zugesagt. Über 1,3 Millionen Bankkunden sollen die neuen Karten in dem Pilotprojekt erhalten. Die deutsche Kreditwirtschaft stellte das kontaktlose Bezahlen unter dem gemeinsamen Logo am Mittwoch (11. Januar) in Frankfurt am Main vor.

Die Sparkassen wollen bundesweit schnell auf das neue System umstellen und haben einen Zeitplan vorgestellt. Im August wollen sie mit der Einführung beginnen. 16 Millionen der insgesamt 45 Millionen Sparkassen-Cards sollen nach Angaben des Sparkassen- und Giroverbandes noch in diesem Jahr ausgetauscht werden. «Bis 30 Millionen folgen dann im Jahr darauf und bis Ende 2014 haben wir alle Karten ausgetauscht», sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Verbandes, Werner Netzel.

Die Volksbanken wollen hingegen erst die Pilotphase abwarten. «Wir können schnell weitere Karten in Umlauf bringen. 2013 entscheiden wir, wie es weiter geht», sagte der Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Andreas Martin. Er bezifferte die Kosten der deutschen Kreditwirtschaft für die Entwicklung von «Girogo» mit einem «signifikanten siebenstelligen Betrag».

Unterdessen gibt es auch Druck durch Kreditkartenunternehmen, die eigene Systeme haben. Das Mastercardsystem «PayPass» akzeptieren viele Tankstellen (BP/Aral) und die Gastronomiekette Vapiano. Die kontaktlose Visa-Zahlungskarte («Visa payWave») wollen bis Mitte 2012 sechs deutsche Banken an ihre Kunden ausgeben: BW-Bank, Comdirect, DKB, Landesbank Berlin, Targobank und Volkswagen Bank.

Mit der Verbreitung entsprechend ausgerüsteter Karten-Terminals im Handel wäre auch der Weg für das Bezahlen per Handy bereitet. Denn die Funkchips werden zum Teil heute schon in einigen Smartphones integriert und dürften mit der Zeit in immer mehr Telefone kommen.

Das neue Bezahlsystem soll dem Handel Kosten einsparen. «Wir bewegen Tonnen von Münzgeld. Das ist ein gewichtiges Problem», klagte der Vorstand von Edeka Minden-Hannover, Wolfgang Mücher. Dank des kontaktlosen Bezahlens könne der aufwendige Umgang mit den Münzen reduziert werden. Allerdings kommen auf die Einzelhändler auch neue Kosten zu: Für das Zahlen per Funk wollen die Kreditinstitute bis zu drei Cent pro Transaktion berechnen. Außerdem müssen die Kassen in den Geschäften mit neuen Lesegeräten ausgestattet werden. «Die kosten uns zwischen 300 und 350 Euro pro Stück und wir statten sukzessive 1000 Kassen damit aus», sagte Mücher.

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