Vier Jahre lang wurde Baugeld immer günstiger. Hat nun die Trendumkehr begonnen? Angehende Baufinanzierer sollten aufmerksam sein.

Baugeld
Die Zinsen sind historisch niedrig - Immobilien lassen sich daher im Moment noch sehr günstig finanzieren.

Die Zinsen sind historisch niedrig - Immobilien lassen sich daher im Moment noch sehr günstig finanzieren.

Remmers/dpa/tmn

Die Zinsen sind historisch niedrig - Immobilien lassen sich daher im Moment noch sehr günstig finanzieren.

Düsseldorf. Beim Baugeld kündigt sich eine Zeitenwende an. Die jahrelange Talfahrt ist vorerst beendet. Der Biallo-Baugeld-Index hat zum Jahreswechsel die Richtung geändert und steigt seither kontinuierlich an. Der Durchschnittszins aus über 150 Baugeld-Angeboten kletterte von 2,48 auf 2,55 Prozent. Große Zinsanstiege vermeldeten etwa der Versicherer Cosmos Direkt und der Baugeldvermittler Interhyp mit bis zu 0,36 Prozentpunkten sowie die Volksbank Münster mit 0,12 Prozent.

Große Zinsschritte sind allerdings die Ausnahme, viele Kreditinstitute heben die Zinsen eher in Minischritten an, dafür allerdings beinahe täglich, wie dies bei der Santander Bank zu beachten ist.

Kleine Baugeld-Schritte – große Wirkung

Die aktuellen Erhöhungen fallen noch nicht so stark ins Gewicht. Geht der Trend jedoch weiter, sollten potentielle Immobilienkäufer auf der Hut sein. Verteuert sich Baugeld um einige Zehntel, führt dies bereits zu signifikanten Mehrkosten. So verursacht ein zehnjähriges Baudarlehen, das sich um 0,30 Prozentpunkte verteuert, bei einem Prozent Anfangstilgung pro 100.000 Euro rund 25 Euro Mehrbelastung pro Monat. Beispiel: Die Hannoversche Leben berechnet für zehnjähriges Baugeld aktuell 2,3 Prozent Zinsen. Ein Darlehen über 100.000 Euro kostet somit 275 Euro pro Monat. Allianz und ING Diba verlangen für das gleiche Darlehen 2,6 Prozent Zinsen, die Monatsrate kostet in diesem Fall 300 Euro. Binnen zehn Jahren bezahlen Kreditnehmer dadurch immerhin 3.000 Euro mehr an die Bank.

Käufer und Bauherren sollten die Konditionen jetzt sorgfältig vergleichen. Noch finden sich für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung zahlreiche Anbieter mit Topangeboten nahe der Zwei-Prozent-Marke. Profitieren können Bauherren vor allem von freien Kreditvermittlern und Banken, die Baugeld verschiedener Anbieter im Programm führen. Aktuell überzeugen vor allen Kreditofferten von DTW Immobilienfinanzierung (2,16 Prozent), Accedo (2,17 Prozent), Baufi.net (2,22 Prozent) sowie Audi- und Volkswagen Bank direkt mit jeweils 2,27 Prozent Sollzins.

Baugeld bleibt nicht ewig günstig

Zwar befindet sich Baugeld im Aufwärtstrend, wie hoch die Zinsen klettern werden, ist allerdings ungewiss. Eva Grunwald, Leiterin Baufinanzierung bei der Deutschen Bank, erwartet, dass die Finanzierungsbedingungen im ersten Quartal 2013 noch günstig bleiben werden: „Die Zinsen dürften vorerst niedrig bleiben, da für Deutschland und Europa weiterhin mit wenig Wachstum und Inflation gerechnet wird.“

Allerdings orientieren sich die langfristigen Hypothekenzinsen weniger am niedrigen EZB-Leitzins, sondern vor allem an der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. Und diese ist in den letzten Wochen bereits auf 1,5 Prozent geklettert. Der jüngste, unerwartet starke Ifo-Geschäftsklimaindex dürfte für weiteren Aufwärtsdruck sorgen. Baugeldexpertin Grunwald rechnet daher für 2013 mit weiteren Renditeanstiegen und in der Folge mit einer Verteuerung von Baugeld. Ihr Rat: „Interessenten, die sich mit dem Gedanken tragen eine Immobilie zu kaufen oder zu bauen, sollten jetzt die Finanzierung anstoßen.“

Noch günstige Zinsen für Anschlussfinanzierung sichern

Das Gleiche gelte für Immobilienbesitzer, deren Zinsbindungsfrist in spätestens vier Jahren ausläuft. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, über eine Anschlussfinanzierung nachzudenken, um sich das attraktive Zinsniveau langfristig zu sichern.“

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