Die Menge macht es - Bauherren, die gemeinsam Materialien und Leistungen einkaufen, können kräftig sparen. In Baugruppen besteht jedoch auch Streitpotential.

Düsseldorf. Vor zehn Jahren waren sie noch die absolute Ausnahme, doch heute schließen sich immer häufiger Menschen zusammen, um gemeinsam ein Grundstück zu kaufen und zu bauen oder zusammen einen Altbau zu modernisieren. Baugruppen bleiben bei ihren Bauvorhaben in der Regel zehn bis 20 Prozent unter den ortsüblichen Baukosten, denn die Gewinn-Marge eines Bauträgers für eine schlüsselfertige Immobilie entfällt und die Gruppe kann durch den gemeinsamen Einkauf von Materialien und Leistungen die Kosten für Erschließung, Architekt, Baufirmen und Handwerker drücken. Nach Angaben der Umweltbank in Nürnberg sparen die zukünftigen Eigentümer im Vergleich zu den marktüblichen Immobilienpreisen für Neubauten beim Bau in einer Baugruppe im Schnitt bis zu 500 Euro pro Quadratmeter.

Bei nahezu allen Handwerkerleistungen, die für den Bau eines Hauses erforderlich sind, gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Preis und der Menge dieser Leistung. Je größer der Umfang der Arbeiten ist, die ein Handwerksbetrieb erbringen soll, umso kostengünstiger kann eine Einheit dieser Leistung angeboten werden.

Großes Auftragsvolumen bringt Vorteile

Dies wird verständlich vor dem Hintergrund, dass rund zwei Drittel der Baukosten auf Arbeitslohn, Transport, Fahrzeiten und weitere Nebenkosten entfallen. Die Baugemeinschaften mit ihrem relativ zum Einzelbauherrn größeren Auftragsvolumen gibt dem Unternehmer die Möglichkeit, die Abläufe von der Materialbestellung bis zur Abnahme zu optimieren. Dies macht sich natürlich im Preis bemerkbar und ist bereits bei dem Bau eines Doppelhauses durch eine "Minibaugruppe" deutlich spürbar. Aber nicht nur Handwerksbetriebe unterliegen diesem Phänomen der Masse - auch die Kosten für den Architekten und andere Ingenieure werden bei steigendem Planungsumfang für jedes Mitglied der Baugemeinschaft geringer ausfallen.

Prinzipiell können Baugruppen als Verein, Genossenschaft oder als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert sein. Mehrere Bauwillige schließen sich dabei zusammen, um z.B. ein sanierungsbedürftiges Gebäude zu erwerben oder um Grundstücke zu kaufen, die dann mit Häusern und Gemeinschaftsflächen bebaut werden. Hierbei beteiligen sich die Parteien aktiv bei Planung und Bau. Neben den enormen Einsparungen entstehen gewachsene Wohngemeinschaften. Aber natürlich kann es beim gemeinsamen Bauen auch zu Streit kommen.

Professioneller Rat für Baugruppen - wie man Ärger vermeidet

Ohne verlässliche Absprachen kommt keine Baugruppe aus, das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ urteilte bereits, dass sonst aus dem Traum vom billigen Heim ein „Höllentrip“ werden könne. Reinhard Wunder, Immobilienexperte bei der Hamburger Sparkasse, stellt fest: „Damit eine Baugemeinschaft tatsächlich günstiger baut, müssen sich Vertreter der Gemeinschaft um kaufmännische und technische Aufgaben kümmern und mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet werden.“ Und der Berliner Sparkassendirektor Heinz Helmut Müller fordert: „Grundlage des Zusammenwirkens innerhalb der Baugruppe ist ein Gesellschaftervertrag mit klaren Regelungen.“

Baugruppen-Profis vom Nürnberger Informationswerk warnen: „Diese Form des Bauens sollte nur mit professioneller Beratung und Moderation geeigneter Initiatoren durchgeführt werden.“ Bei fehlender professioneller Betreuung kommt es nach ihren Erfahrungen zu „Gruppierungen, die über abendfüllende Diskussionen und Vorschläge nicht hinauskommen und dann irgendwann die Lust verlieren, weiterzumachen.“

Politik unterstützt Baugruppen

Zwar gibt es erste negative Erfahrungen in Baugruppen-Projekten, aber der Trend zum gemeinsamen Bauen wird von Politikern gern unterstützt. „Vor allem Kommunen im Süden und Norden des Landes, in denen Wohnraum knapp und Grundstücke teuer sind, öffnen sich für Baugemeinschaften", sagt Hubert Burdenski, Vorsitzender des Bundesverbands Baugemeinschaften.

München und Stuttgart etwa unterstützen Baugruppen, indem sie freie städtische Grundstücke für alternative Bauprojekte reservieren. „Die Politik dort hat erkannt, dass dies oftmals die einzige Möglichkeit ist, Familien in begehrten Großstädten bezahlbares Wohneigentum zu ermöglichen", meint Burdenski.

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