Ein Arbeiter befestigt zur Wärmedämmung Styroporplatten an einer Fassade. Foto: Armin Weigel
Ein Arbeiter befestigt zur Wärmedämmung Styroporplatten an einer Fassade. Foto: Armin Weigel

Ein Arbeiter befestigt zur Wärmedämmung Styroporplatten an einer Fassade. Foto: Armin Weigel

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Ein Arbeiter befestigt zur Wärmedämmung Styroporplatten an einer Fassade. Foto: Armin Weigel

Düsseldorf. Wärmedämmung ist zurzeit bei vielen Hauseigentümern, aber auch bei Käufern ein großes Thema. So geistert eine EU-Effizienz-Richtinie durch den Blätterwald, nach der Häuser auch zwangssaniert werden können. Schon jetzt können in Deutschland Bußgelder an Eigentümer verhängt werden, deren Gebäude nicht ordentlich gedämmt sind. Zudem übt die Politik Druck auf Hauseigentümer aus.

So sollen bis zum Jahr 2020 20 Prozent der Gebäude energetisch saniert sein, bis zum Jahr 2050 sogar 80 Prozent. Zwei Gründe sind für die Unsicherheit vieler Hauseigentümer verantwortlich. Erstens haben sich zu wenige mit den gesetzlichen Vorgaben befasst und zweitens ist kaum jemandem klar, welche Effekte mit einer Dämmung erzielt werden können und welche nicht.

Den Maßstab für die Dämmpflicht in Deutschland bildet die ENEV von 2011. Allerdings gelten hierbei zahlreiche Ausnahmen. Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die das Gebäude bereits vor 2002 bewohnt haben, sind von den Verpflichtungen der ENEV befreit. Allerdings nur, wenn das Haus nicht verkauft wird, da in diesem Fall der Käufer nachrüsten muss. Auch nicht gedämmt werden müssen Baudenkmale und Häuser mit erhaltenswerter Bausubstanz, Immobilien, bei denen dies zu aufwendig ist (unbillige Härte) und Kleingebäude. Doch die Entscheidung zur Wärmedämmung ist nicht so einfach, denn letztendlich muss sich die Kostenersparnis erst in der Praxis erweisen. Gerne werden dann Thermografieaufnahmen gemacht, die den Wärmeverlust zeigen. Jedoch beweisen diese zunächst einmal gar nichts.

Richtiger Zeitpunkt sorgt für gute Ergebnisse

Der ideale Zeitpunkt für eine Thermografieaufnahme ist direkt nach Sonnenaufgang, idealerweise im Winter, denn dann können sich bei Sonnenschein die Außenwände noch nicht erwärmt haben und so zu einem verfälschten Ergebnis führen. Die meisten Thermografieaufnahmen werden aber irgendwann tagsüber gemacht. Die Aussagekraft ist damit in vielen Fällen schon herabgesetzt. Würde man nämlich von gedämmten Häusern zum gleichen Zeitpunkt eine Thermografie durchführen, so wären die Ergebnisse aufgrund des gleichen Effektes ähnlich.

Achtung vor fehlerhaften Vergleichen

Gerne werden von "Fachleuten" trockene Wände und feuchte Wände verglichen und dies als Beweis für die Wirksamkeit der Wärmedämmung herangezogen. Doch die Aussagekraft ist auch hier sehr beschränkt, wasserhaltige Fassaden sind kühler. Gerade wärmegedämmte Häuser leiden unter dem Feuchtproblem. Nach gewisser Zeit saugen sich die Wände regelrecht mit Wasser voll.

Die Folge: Ansammlungen von Schimmelpilzen oder Algen, die dann durchaus auch den Weg ins Haus finden können. Zu erkennen sind diese Formen der schlechten Dämmung meist an schmutzig aussehenden Fassaden von Gebäuden, die erst vor wenigen Jahren gedämmt wurden. Teure Sanierungen sind dann fällig, um wieder eine ordentliche Fassade zu bekommen.

„Eine Wärmedämmung ist sinnlos“, so der Architekt und bekannte Kritiker Konrad Fischer. „Wie Vergleiche zwischen gleichartigen, gedämmten und ungedämmten Häusern zeigen, ist die gewünschte Energieeinsparung nicht feststellbar. Die Dämmung schließt die Sonne als Wärmespender für das Mauerwerk so aus. So steigen dann nur die Mieten und Eigentümer müssen mit höheren Instandhaltungskosten rechnen.“ Daher gilt beispielsweise auch in den USA ein weitgehendes Verbot für die Wärmedämmung von Gebäuden.

Kosten der Außendämmung

Das Institut für Wohnen und Umwelt ermittelte durchschnittliche Kosten von rund 130 Euro pro Quadratmeter Außenfläche. Das heißt, bei einem Einfamilienhaus mit einer Außenfläche von 150 Quadratmetern liegen die Kosten bei etwa 19.500 Euro. Ein Förderprogramm der KfW steht zu diesem Zweck auch zur Verfügung (Energieeffizient Sanieren). Die KfW vergibt zinsgünstige Darlehen und einen Tilgungszuschuss von bis zu 12,5 Prozent, je nachdem, welcher Grad der Energieeffizienz erreicht wird.

Trotzdem muss der Eigentümer damit einen Großteil der Kosten selbst tragen. „Daher,“ so Hyewon Seo, Referentin Nachhaltiges Bauen & Wohnen vom Verbraucherzentrale Bundesverband, „ist es wichtig, vorab einen Energieberater oder Gutachter hinzuzuziehen, um die Investition beurteilen zu können. So ist bei Miethäusern zu prüfen, ob der Mehrwert überhaupt am Wohnungsmarkt durch Mieterhöhungen durc! hsetzbar ist. Auch Eigenheimbesitzer sollten sich immer die Frage stellen, ob ein wirtschaftlicher Vorteil in absehbarer Zeit zu realisieren ist.“

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