Eine Kontonummer mit 22 Stellen, das klingt kompliziert. Kontoinhaber müssen sich damit allmählich auseinandersetzen: In gut sechs Monaten beginnt die Sepa-Pflicht. Foto: Uwe Anspach
Eine Kontonummer mit 22 Stellen, das klingt kompliziert. Kontoinhaber müssen sich damit allmählich auseinandersetzen: In gut sechs Monaten beginnt die Sepa-Pflicht. Foto: Uwe Anspach

Eine Kontonummer mit 22 Stellen, das klingt kompliziert. Kontoinhaber müssen sich damit allmählich auseinandersetzen: In gut sechs Monaten beginnt die Sepa-Pflicht. Foto: Uwe Anspach

dpa

Eine Kontonummer mit 22 Stellen, das klingt kompliziert. Kontoinhaber müssen sich damit allmählich auseinandersetzen: In gut sechs Monaten beginnt die Sepa-Pflicht. Foto: Uwe Anspach

Brüssel (dpa) - Der Countdown läuft: In einem halben Jahr muss Europa auf das neue Zahlungssystem namens Sepa umstellen. Die internationale Kontonummer wird dann Pflicht bei Überweisungen. Jeder Kontoinhaber ist betroffen. Hier das Wichtigste im Überblick:

Wer als Bankkunde Geld ins Ausland überweist, ärgert sich oft über den Zeitverzug oder Bankgebühren. Das neue EU-System Sepa soll dies ändern. In sechs Monaten wird es ernst: Am 1. Februar 2014 lösen europaweit einheitliche Kontonummern (IBAN) die alten Zahlenkombinationen ab - auch für Transfers im Inland.

Was bedeutet Sepa?

Das Kürzel steht für Single Euro Payments Area, also einen einheitlichen Zahlungsraum für Transaktionen in Euro. Dort werden Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen standardisiert und gleich abgewickelt - egal ob sie ins Inland oder über Grenzen gehen. Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft.

Seit wann gibt es Sepa?

Seit Anfang 2008 bieten Banken ihren Kunden Sepa-Überweisungen an, seit 2009 auch Sepa-Lastschriften. In der Praxis nutzen die meisten Bankkunden diese aber nur bei Transfers ins Ausland, insbesondere die Deutschen hängen an ihrem System. Die EU hat daher einen Termin gesetzt: Ab 1. Februar 2014 wird die internationale Kontonummer IBAN Pflicht - auch für Überweisungen und Lastschriften im Inland. Zu Sepa gehören seit dem 1. Juli 33 Länder, das sind die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz.

Welche Vorteile bieten die neuen Sepa-Regeln?

Wer ins Ausland Geld überweisen muss, kann das schneller und billiger tun. Eine Überweisung soll beim Sepa-Verfahren nur noch einen Bankgeschäftstag dauern - heute kann es bei Auslandstransfers bis zu einer Woche sein. Die EU rechnet mit Einsparungen von 123 Milliarden Euro binnen sechs Jahren. Wer etwa in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet, kann sich sein Gehalt auf sein Konto in der Heimat überweisen lassen. Bisher waren mehrere Konten nötig. Auch die Miete für die Ferienwohnung auf Mallorca lässt sich bequem über ein deutsches Konto zahlen. Unternehmer können fällige Rechnungsbeträge von Kunden in Hamburg genau so wie in Mailand einziehen.

Wer ist von der Umstellung auf Sepa betroffen?

Jeder Kontoinhaber, egal ob Privatperson oder Unternehmen.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Nur in Euro. Überweist ein Bankkunde in anderen Währungen, muss er eine Auslandsüberweisung vornehmen.

Was ändert sich konkret für den Bankkunden?

Bei Überweisungen muss er künftig mehr Kästchen als sonst ausfüllen. Statt der inländischen Kontonummer mit meist 10 Stellen muss der Verbraucher die internationale Kontonummer IBAN eintragen. Die Länge der IBAN ist von Land zu Land unterschiedlich und darf maximal 34 Zeichen umfassen. Derzeit variiert in der Praxis die Anzahl von 15 in Norwegen bis 31 in Malta. In Deutschland hat die IBAN immer 22 Stellen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

Die IBAN besteht aus Buchstaben und Zahlen. Sie beginnt mit dem Ländercode (für Deutschland: DE) und einer zweistelligen Prüfziffer. Danach folgt eine nationale Komponente, in Deutschland sind das die Bankleitzahl und die Kontonummer. Wirklich neu an dieser Kombination ist also nur die Prüfziffer.

Wo findet der Kunde die IBAN?

Schon seit 2003 steht die IBAN auf jedem Kontoauszug, manchmal auch auf Bankkarten. Beim Online-Banking kann der Kunde sich die gespeicherten Daten aus einer Liste auswählen, um Fehler zu vermeiden (etwa unter «Meine Daten» oder «Kontodetails»).

Was passiert bei einem Vertipper?

Verschreibt sich der Bankkunde - etwa beim Online-Banking - bei der Nummer, wird die Überweisung automatisch gestoppt. Es erscheint eine Fehlermeldung. Die IBAN schützt den Verbraucher somit nach Bankenangaben vor Falschüberweisungen durch Zahlendreher.

Wozu dient der BIC?

Der internationale Code zur Identifizierung der Bank (BIC) ersetzt bei Sepa die Bankleitzahl. Statt Zahlen gibt es eine Buchstabenfolge, die die Zielbank eindeutig identifiziert. Der Code, manchmal auch SWIFT-Code genannt, besteht aus acht beziehungsweise elf Zeichen. Allerdings ist die alte Bankleitzahl ja schon in der IBAN enthalten. Deshalb soll der BIC ab Februar 2014 bei Transfers im eigenen Land wegfallen, ab Februar 2016 auch bei Zahlungen ins Ausland.

Wann muss der Kunde auf Sepa umsteigen?

Vom 1. Februar 2014 an ist die Umstellung Pflicht. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlungssysteme parallel. Für eine Übergangsfrist von zwei Jahren können Verbraucher die alte Kontonummer national noch nutzen; ihre Bank rechnet in die IBAN um.

Ist die Wirtschaft gut vorbereitet?

Nein, sagt der Handelsverband Deutschland HDE, und nennt den Stand der Vorbereitungen in den Unternehmen «unbefriedigend». Firmen und Vereine in Deutschland stellen nur schleppend auf internationale Kontonummern um, wie eine dpa-Umfrage zeigt.

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