Wer Überstunden macht, bekommt nicht gleich mehr Geld. Meist wird die längere Arbeitszeit mit Freizeitausgleich verrechnet.

Völlig übermüdet: Junge Angestellte machen rund 5,3 Überstunden pro Woche.
Völlig übermüdet: Junge Angestellte machen rund 5,3 Überstunden pro Woche.

Völlig übermüdet: Junge Angestellte machen rund 5,3 Überstunden pro Woche.

dpa

Völlig übermüdet: Junge Angestellte machen rund 5,3 Überstunden pro Woche.

Düsseldorf. Gefühlt arbeiten wohl die meisten zu viel. Sobald die vertragliche Arbeitszeit überschritten ist, fallen Überstunden an. Die Rechnung, wer mehr arbeitet, verdient auch mehr Geld, lässt sich pauschal aber nicht aufstellen.

Das liegt zum einen am gesetzlichen Rahmen im Arbeitsrecht. Es kann aber auch der Arbeitsvertrag dafür sorgen, dass eine vermeintliche Überstunde gar keine ist.

Überstunden sind in deutschen Büros an der Tagesordnung. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin arbeiten junge Angestellte rund 5,3 Stunden pro Woche mehr als im Arbeitsvertrag vereinbart ist.

2009 wurden rund eine Milliarde bezahlte Überstunden geleistet

"In Deutschland wurden 2009 rund eine Milliarde bezahlter Überstunden geleistet", fügt Eugen Spitznagel hinzu, Leiter der Forschungsgruppe Arbeitszeit und Arbeitsmarkt beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. In der gleichen Größenordnung dürfte es unbezahlte Überstunden geben, schätzt er.

Dabei ist unter einer "Überstunde" nur die Arbeitszeit zu verstehen, "die über die durch Einzelvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung bestimmte regelmäßige Arbeitszeit hinausgeht", erläutert Anwalt Jobst-Hubertus Bauer.

Eine ausdrückliche gesetzliche Regelung gebe es nicht. Bis 1994 habe noch im Gesetz gestanden, dass ein Zuschlag gezahlt werden muss, wenn die gesetzliche Höchstarbeitszeitgrenze von 48 Wochenstunden überschritten wurde. Diese Regelung sei inzwischen weggefallen, heute sei das Arbeitsrecht flexibler. Bis zu 60 Stunden pro Woche sind erlaubt. Und das Gesetz nennt den Freizeitausgleich ausdrücklich vor der Bezahlung von Mehrarbeit.

Damit eine Überstunde im juristischen Sinne vorliegt, muss die regelmäßige Arbeitszeit tatsächlich überschritten sein. Sie ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag. Ist dort von einer 40-Stunden-Woche die Rede, ist das die regelmäßige Arbeitszeit. Nur wenn die werktägliche Arbeitszeit im Durchschnitt, innerhalb eines Ausgleichszeitraumes von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen, mehr als acht Stunden beträgt, gilt die regelmäßige Arbeitszeit als überschritten. Und nur dann ist das Mehr an Arbeit auch "Mehrarbeit" - also eine Überstunde im rechtlichen Sinn.

Eine weitere Voraussetzung für bezahlte Überstunden ist, dass diese vom Arbeitgeber ausdrücklich angeordnet wurden oder von diesem zumindest bewusst geduldet wurden. Dabei reicht es, wenn der Vorgesetzte Leistungen zu bestimmten Zeiten verlangt, die der Arbeitnehmer ohne solche Überstunden erkennbar nicht ableisten kann. Eine bloße Anspielung an ein vermeintlich zu frühes Verschwinden wie "Sie gehen schon?" genüge als Anordnung von Überstunden hingegen nicht.

Der Arbeitnehmer muss im Gegenzug die Mehrarbeit nachweisen.

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