Pfullendorf (dpa) - Wenn es Bäumen im Wald an den Kragen geht, hat in den meisten Fällen ein Mann die Motorsäge in der Hand. Doch auch Frauen interessieren sich für diese Domäne. In einem speziellen Kurs holen sie sich das passende Rüstzeug - und legen selbst Hand an.

Eine Motorsäge heult auf. Späne fliegen durch die Luft, gefolgt von einem lauten Knacken: «Achtung!», schreit sie und weicht zurück. Dann gibt Melanie Hangarter dem Stamm noch einen letzten, kräftigen Schlag. Fast wie in Zeitlupe geht die 30 Meter hohe Fichte schließlich krachend zu Boden. Sieben Frauen klatschen Beifall. «Kurz hatte ich Angst, dass er in die falsche Richtung fällt», sagt Hangarter, die soeben ihren ersten Baum zu Boden gebracht hat.

Sie und ihre sieben Mitstreiterinnen sind Teilnehmer eines Motorsägenlehrgangs für Frauen - der rein zufällig auf das Wochenende fällt, an dem der Weltfrauentag (8. März) gefeiert wird. In dem staatlich anerkannten Kurs, den das Christliche Bildungswerk Wald organisiert, erlernen sie in zwei Tagen alles, was sie über den Umgang mit der Kettensäge wissen müssen. In Theorie und Praxis. «Sie sind sehr interessiert und gehen ins Detail», verrät Förster Markus Zell-Straub, der den Lehrgang mit den Forstwirten Reinhard Russilow und Jens Brauer leitet.

Für das Sägen im öffentlichen Wald ist seit 2013 der Nachweis eines Kurses Pflicht. Doch die Frauen treibt nicht nur die Vorschrift an die Kettensägen. «Als Jägerin wollte ich meinen Hochsitz endlich selbst bauen», erklärt Ellen Harich lachend. «Die Hemmschwelle mitzumachen ist in gemischten Gruppen höher, weil Männer oft Vorkenntnisse haben.» Die anderen Frauen stimmen ihr zu. Für die meisten ist es die erste Erfahrung mit der Kettensäge. «Es ist gewöhnungsbedürftig und erfordert Kraft. Ich habe einen Höllenrespekt vor der Maschine», sagt Hedwig Käppeler.

Der theoretische Teil des Lehrgangs habe aber ein sicheres Gefühl hinterlassen und die anfängliche Angst genommen. «In der Theorie beschäftigen wir uns vor allem mit den Themen Sicherheit und Wartung der Motorsäge», erklärt Forstwirt Russilow. «Dazu gehören beispielsweise Schutzausrüstung, Unfallverhütung und Ketteninstandsetzung.»

Die Gruppenchemie stimmt spürbar. Es wird viel gelacht und die Frauen helfen sich immer wieder gegenseitig. Im zweiten Teil heißt es dann: «Ran an die Bäume!» Alle müssen jetzt beweisen, was sie gelernt haben. Eine nach der anderen wirft die Motorsäge an und setzt gekonnt die nötigen Schnitte am Stamm. Hier und da korrigieren Brauer und Russilow ihre Lehrlinge, sind mit ihrer Leistung aber sehr zufrieden.

«Ich würde gerne jedes Jahr einen Frauen-Lehrgang anbieten», betont Zell-Straub. Die Nachfrage bestehe derzeit, der nächste Kurs ist schon für November geplant. Einen generellen Trend zu Frauen, die zu Kettensägen greifen wollen, kann er jedoch nicht erkennen. Schätzungsweise 95 Prozent aller Teilnehmer seien nach wie vor männlich. Das bestätigen auch das baden-württembergische Forstministerium und der Fachverband geprüfter Baumpfleger.

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