Gerade in längeren Beziehungen nerven einen die kleinen Macken des Partners.

wza_1500x1305_756120.jpeg
Das Gemeckere des Partners kann zum Nervfaktor werden.

Das Gemeckere des Partners kann zum Nervfaktor werden.

dpa

Das Gemeckere des Partners kann zum Nervfaktor werden.

Bergisch Gladbach. Das Leben in einer Partnerschaft ist schön. Man kann den liebsten Menschen schon beim Aufwachen knuddeln, mit ihm frühstücken, jede Menge Freizeit verbringen und viel Schönes erleben. Schon eine tolle Sache - wenn da nur nicht diese kleinen Macken wären, die sich der Partner auch nach dem x-ten Rüffel nicht abgewöhnt: Herumliegende Klamotten oder überquellende Mülleimer sind immer wieder Anlass für Stress in der Beziehung.

Jeder "Vorfall" für sich ist eigentlich nicht der Rede wert, erst recht nicht einen Beziehungsstreit. Wiederholt er sich aber oder kommen einige solcher Nachlässigkeiten zusammen, kann es ganz schön nerven.

Partner empfinden einen Regelverstoß als Kränkung

"In allen sozialen Gemeinschaften gibt es Regeln, an die man sich halten muss", sagt Angela Wagner, Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP). "Krach gibt es immer dann, wenn einer sich nicht daran hält."

In Liebesbeziehungen empfinde der Partner einen solchen Regelverstoß als "große Kränkung", da er ihn als "Angriff auf seine Person" wahrnimmt, erläutert Wagner. Dabei habe der "Täter" gar keine böse Absicht gehabt. Vielleicht hat er es einfach nur vergessen, den Müll runterzubringen. "Das hat mit seinem So-Sein zu tun", sagt Wagner - nicht aber mit dem Partner, der den Regelverstoß auf sich bezieht.

Laut Paartherapeut Rudolf Stroß in Bergisch Gladbach kann in einer Beziehung im Grunde alles zum Ärgernis werden. "Der Partner ist eine schier unerschöpfliche Quelle an Macken", erzählt er aus seiner Berufspraxis. Und in vielen Beziehungen würden diese Macken erst nach vielen Jahren entdeckt, wenn die Beziehung etwas abgekühlt und in Routine verfallen ist.

Die Menschen beschäftigen sich nicht mehr intensiv miteinander

Alfred Fuhr vom Berufsverband der Deutschen Soziologen (BDS) in Recklinghausen macht außerdem gesellschaftliche Entwicklungen dafür aus, dass Lappalien zu Beziehungskrisen eskalieren: "Wir haben nicht mehr die Bereitschaft, uns intensiv miteinander zu beschäftigen." Wenn aus nichtigem Anlass Streit eskaliert, sei das auch ein Barometer für den Zustand der Beziehung, sagt Fuhr.

Man muss lernen, jemanden zu nehmen wie er ist

Kommt es zum Knall, sei die ständig offene Zahnpastatube vielleicht der Anlass für den letzten Streit, ganz sicher aber nicht der wahre Grund für das Scheitern der Beziehung. Beide Partner sollten überlegen, ob der andere einem so viel wert ist, dass man bereit ist, an sich zu arbeiten.

Angela Wagner empfiehlt, Macken des Partners mit Liebe und Humor zu nehmen. "Man muss sich klarmachen, dass die Macken mit dem Partner zu tun haben - nicht mit einem selbst. Man muss lernen, jemanden so zu nehmen, wie er ist."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer