Wie Eltern richtig streiten
Nicht jede Diskussion ist für Kinderohren bestimmt: Über intime Paarprobleme oder existenzielle Nöte sollten sich Eltern nicht vor ihren Kindern streiten.

Nicht jede Diskussion ist für Kinderohren bestimmt: Über intime Paarprobleme oder existenzielle Nöte sollten sich Eltern nicht vor ihren Kindern streiten.

Diagentur/dpa/tmn

Nicht jede Diskussion ist für Kinderohren bestimmt: Über intime Paarprobleme oder existenzielle Nöte sollten sich Eltern nicht vor ihren Kindern streiten.

Rendsburg/Berlin (dpa/tmn) - Geraten sich Mama und Papa in die Haare, wirkt das auf Kinder schnell bedrohlich. Oft suchen sie die Schuld für Konflikte bei sich. Damit der Nachwuchs keine falschen Schlüsse zieht, sollten Erwachsene Streit offen ansprechen.

Zwischen Mama und Papa hat es gestern Abend ganz schön gekracht. Die siebenjährige Lena erkennt es am eisigen Gesichtsausdruck, mit dem Mama am Frühstückstisch sitzt, und an der Art, wie Papa schweigend in die Zeitung starrt. Streit zwischen Erwachsenen macht Kinder unsicher. Streit muss aber nicht per se eine Bedrohung sein. Beachten Eltern ein paar Spielregeln, können Kinder aus den Auseinandersetzungen sogar etwas lernen.

Oft versuchen sich Eltern vor den Kindern zusammenzureißen und Spannungen zu vertuschen - das klappt aber nicht bei jedem Konflikt. Und daran ist auch nichts Schlimmes: «Kinder müssen Streit mitkriegen, das vermittelt ihnen, dass es zum Leben dazugehört», erklärt Susanne Egert, psychologische Psychotherapeutin aus Rendsburg. Wichtig sei für Eltern, dem Nachwuchs zu signalisieren: «Wir haben uns lieb, sind aber gerade unterschiedlicher Meinung.»

Im Idealfall können Eltern die kinderfreie Zeit für Konflikte nutzen. Wann sich eine hitzige Diskussion entlädt, kann man aber nicht immer steuern. Bekommen Kinder den Streit mit, sollten Eltern danach auf sie zugehen und das Thema ansprechen. «Das wirkt entlastend auf sie. Sie haben dann die Chance, Fragen zu stellen», sagt Karin Jacob, Erziehungsberaterin beim SOS-Familienzentrum in Berlin.

Ein Streit zwischen den Eltern wird Kinder in jedem Fall beschäftigen. Mutter und Vater sollten deshalb nicht abwarten, bis der Nachwuchs sie von selbst auf das Thema anspricht: «Kinder ziehen sonst die falschen Schlüsse oder beziehen den Streit auf sich», sagt Egert.

Lässt sich der Konflikt vor Kinderohren nicht verbergen, kommt es vor allem auf den Tonfall und die Fähigkeit an, auf Augenhöhe zu kommunizieren. «Kinder sollten lernen, dass beim Streiten eine bestimmte Grenze nicht überschritten wird. Das heißt, dem anderen respektvoll begegnen, ihn ausreden lassen», rät Egert.

Besonders ungünstig ist es, wenn Kinder in das Wortgefecht der Eltern hineingezogen werden. «Auf keinen Fall Partei ergreifen lassen», empfiehlt Jana Frey, die ein Buch zum Thema Elternstreit geschrieben hat. Auch das Kind zum Boten zu machen («Sag deinem Vater mal....»), sei tabu. Ihre Wut verstecken müssen Eltern hingegen nicht: «Sie bleiben wahrhaftig, wenn sie sagen: 'Jetzt bin ich aber richtig wütend.'»

Bestimmte Themen sind allerdings nicht für Kinderohren bestimmt - genauso wie Beschimpfungen und Äußerungen unter der Gürtellinie. Dazu gehören zum Beispiel existenzielle Geldnöte, Trennung sowie Intimes auf der Paarebene.

Niveauvoll zu streiten, ist aber erst die halbe Miete. Fast noch wichtiger ist die anschließende Versöhnung. Genau die bekommen Kinder aber oft nicht mit - weil sie im Schlafzimmer stattfindet oder weil sie generell nicht thematisiert wird. Gerade Jüngeren gegenüber sollte die Versöhnung aber deutlich gemacht werden, zum Beispiel, indem sich alle in den Arm nehmen. Bei älteren Kindern ab neun Jahren reiche auch der Satz: «Wir haben uns wieder vertragen», sagt Frey.

Keiner ist stolz darauf, wenn er aus der Haut gefahren ist. Den Streit im Elternhaus mit einem Schweigegebot zu versehen, ist aber der falsche Weg. Mutter und Vater sollten deshalb akzeptieren, dass der Nachwuchs vom Zoff zwischen den Erwachsenen erzählt - bei Oma und Opa, im Kindergarten oder der Schule. «Kinder brauchen die Chance, sich bei anderen zu entlasten», findet Karin Jacob.

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