Viele Jugendliche hetzen bereits von Termin zu Termin. Das ist auf Dauer ungesund.

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Wer die richtigen Prioritäten setzt, hat Zeit für schöne Stunden an der frischen Luft.

Wer die richtigen Prioritäten setzt, hat Zeit für schöne Stunden an der frischen Luft.

dpa

Wer die richtigen Prioritäten setzt, hat Zeit für schöne Stunden an der frischen Luft.

Göttingen. Vier Klassenarbeiten, drei Referate, Tennistraining und Gitarrenunterricht – ganz zu schweigen vom Kaffeetrinken mit der besten Freundin: Bei vielen Jugendlichen platzt der Terminkalender aus allen Nähten. Dabei kann ständiger Stress schnell ungesund werden. Mit ein paar Tricks können Mädchen und Jungen aber lernen, ihn zu vermeiden.

„Wer weiß, was er will, den belasten nicht alle Anforderungen, die an ihn gestellt werden.“

Gerald Hüther, Stressforscher

„Es ist wichtig, sich mit sich selbst zu befassen und herauszufinden, worauf es einem im Leben ankommt“, sagt Stressforscher und Neurobiologe Prof. Gerald Hüther aus Göttingen. Wofür entwickelt man eine Leidenschaft, was sind die wirklichen Talente? Diese Fragen sollten sich Jugendliche ehrlich und in Ruhe stellen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen alles zu viel wird. „Man muss sich dazu wirklich in Ruhe hinsetzen.“ Danach könne man anfangen, Prioritäten zu setzen und den Terminkalender zu leeren. „Wer selbst weiß, was er will, den belasten nicht alle Anforderungen, die an ihn gestellt werden.“

Auch die sozialen Kontakte sollte man überdenken, rät Werner Tiki Küstenmacher. Der Ratgeberautor und Experte für Zeitmanagement befasst sich seit vielen Jahren mit Stress. „Jugendliche müssen sich klarmachen, wo sie hin wollen und wer aus dem Bekanntenkreis wirklich echte Freunde sind.“ Denn oft lasse man sich als junger Mensch von Gleichaltrigen beeindrucken, die ganz andere Ziele verfolgten als man selbst. Das bringe einen von den eigenen Interessen ab und erhöhe den Druck.

Bei den Pflichten immer mit dem Unangenehmsten anfangen

Vor Druck und Pflichten zu fliehen, ist natürlich nicht immer möglich – gerade die nächste Klassenarbeit oder andere schulische Aufgaben können für Stress sorgen, sind aber nicht zu umgehen. „Dann sollte man mit dem Unangenehmsten anfangen“, rät Küstenmacher.

Lernen ist keine Belastung, wenn echtes Interesse vorliegt

Mit angenehmen Dingen wie schwimmen, bummeln gehen oder Kino sollten sich Jugendliche erst belohnen, wenn sie ihre Pflichten erfüllt haben – oder aber das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. „Warum nicht mit dem besten Freund zusammen lernen, bevor man Eisessen oder Fußballspielen geht“, sagt Küstenmacher. Ideal sei zudem, wenn Jugendliche es schaffen, echtes Interesse für ein Thema in der Schule zu entwickeln. Dann nähmen sie es nicht mehr als Belastung wahr.

Holger Domsch, Schulpsychologe in Münster, empfiehlt Jugendlichen bei Stress, sogenannte Post-Its zu nutzen – also kleine Klebezettel. „Am besten schreibt man alle Pflichten auf kleine Zettel und heftet sie an den Schrank. Immer, wenn man eine Sache geschafft hat, schmeißt man den jeweiligen Zettel in den Papierkorb.“

Durch dieses System werde der Erfolg, wenn man Pflichten erledigt habe, sichtbarer, und das Gefühl von Kontrolle wachse. Denn genau das mache chronischen Stress aus: das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und nicht alles zu schaffen.

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