Perfektionismus
Die perfekte Ehefrau, Mutter, Freundin und Kollegin: Frauen sollten öfter mal Fünfe gerade sein lassen.

Die perfekte Ehefrau, Mutter, Freundin und Kollegin: Frauen sollten öfter mal Fünfe gerade sein lassen.

dpa

Die perfekte Ehefrau, Mutter, Freundin und Kollegin: Frauen sollten öfter mal Fünfe gerade sein lassen.

Herxheim/Köln (dpa/tmn) - Frauen fühlen sich oft verpflichtet, neben ihrer Mutterrolle auch perfekt im Beruf und in der Partnerschaft zu sein. Den größten Druck machten sich die Frauen dabei selbst.

Um dieser Spirale zu entkommen, müssten sie die eigene Erwartungshaltung schrittweise reduzieren: «Frauen sollten sich eine Baustelle vornehmen und schauen, was passiert, wenn sie nur 80 statt 100 Prozent geben», sagte Psychologin Felicitas Heyne aus Herxheim in Rheinland-Pfalz.

Wer zum Beispiel Freunde zum Essen einlade, bereite nur die Vor- und Hauptspeise selbst zu, der Nachtisch wird gekauft. Oder die Kinder bekommen einmal nicht biologische Kost vorgesetzt. «Oft stellen sie dann fest: 80 Prozent sind mehr als ausreichend», sagte Heyne.

Wie die aktuelle Studie «Die deutsche Angst vorm Kinderkriegen» des Kölner Marktforschungsinstituts rheingold unter 1000 Frauen zeigt, fühlen sich 56 Prozent der Frauen überfordert, wenn es darum geht, Kinderkriegen, Partnerschaft und Job zu vereinbaren. Kinderkriegen bedeutet für viele Frauen Unfreiheit, sowie Auflösung und Verlust des eigenen Ichs. Viele haben Angst, nach der Geburt von ihrem Partner nur noch als Mutter und nicht mehr als Frau wahrgenommen zu werden. Aufs Muttersein verzichten wollen die meisten aber dennoch nicht: 76 Prozent der Befragten empfinden Kinder zu bekommen als «bereichernd».

Laut der Studie wünschen sich viele Frauen, dass die Mutterrolle auch Unperfektes zulässt. «Kinderkriegen ist für viele zum Projekt geworden, das geplant werden muss. Babys sind heute ein Statussymbol», sagt auch Heyne. Vor der Familienplanung lohne es sich zu fragen «Warum will ich ein Kind?». «Wenn damit Bedürfnisse nach Erfolg oder Anschluss erfüllt werden sollen, sollte man sich nochmal überlegen, warum man dafür ein Kind braucht.» Oft schlichen sich auch die «Stimmen» von Mutter oder Oma in die eigenen Vorstellungen ein.

Wird das Wirrwarr zu groß, sollten Frauen sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen: «Reden sie mit einem Außenstehenden, etwa einem Coach. Der kann es schaffen, relativ schnell Struktur in das Chaos zu bringen», sagt Heyne.

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