Hilfe zur Selbsthilfe
Sich wieder selbst kämmen können: Solche Dinge sollen Ältere im Rahmen einer geriatrischen Reha lernen. Foto: Arno Burgi

Sich wieder selbst kämmen können: Solche Dinge sollen Ältere im Rahmen einer geriatrischen Reha lernen. Foto: Arno Burgi

dpa

Sich wieder selbst kämmen können: Solche Dinge sollen Ältere im Rahmen einer geriatrischen Reha lernen. Foto: Arno Burgi

Hamburg (dpa/tmn) - Eine Reha ist nicht nur bei gebrochenen Knochen sinnvoll: Alten Menschen kann sie dabei helfen, selbstständig im Alltag zurechtzukommen. Einen Therapieplatz zu erhalten, ist aber oft kompliziert. Und nicht jeder Arzt kann Patienten überweisen.

Sie haben Mühe, aus dem Bett aufzustehen, können nicht mehr alleine gehen und vergessen immer mal wieder Termine. Alte und pflegebedürftige Menschen sind im klassischen Sinne nicht rehabilitationsfähig. Das heißt: Sie können nicht ausreichend daran mitwirken, nach einer Erkrankung wieder ins gesellschaftliche oder berufliche Leben eingegliedert zu werden. Bei der geriatrischen Rehabilitation (Reha) gelten jedoch andere Maßstäbe. Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick:

Was ist das Besondere an der geriatrischen Reha?

Die geriatrische Reha ist eine Sonderform der medizinischen Reha. Bei letzterer steht in der Regel eine Krankheit im Vordergrund: Nach einem Schlaganfall bekommen Patienten zum Beispiel eine neurologische Reha verschrieben, nach dem Einsetzen einer künstlichen Hüfte eine orthopädische. Viele ältere Menschen leiden aber an mehreren Krankheiten gleichzeitig. «Das Besondere an der geriatrischen Rehabilitation ist, dass keine Indikation im Vordergrund steht», sagt Norbert Lübke, Leiter des Kompetenz-Centrums Geriatrie in Hamburg. Ein weiterer Unterschied ist, dass eine geriatrische Reha auch pflegebedürftigen Menschen offen steht, erklärt Manfred Gogol, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie in Berlin.

Wie läuft die geriatrische Reha ab?

Am Anfang stehen Untersuchungen, um einen Überblick über die Beschwerden zu bekommen. Die Ärzte prüfen zum Beispiel, wie gut sich der Patient selbst versorgen kann, ob er Probleme beim Erinnern hat oder unter starken Stimmungsschwankungen leidet. Auf Basis dieser Informationen wird der Therapieplan erstellt. Üblich sind neben der ärztlichen Versorgung unter anderem Sprach- und Ergotherapie, Physiotherapie und aktivierende Pflege.

An wen richtet sich die geriatrische Reha?

Die Patienten müssen bestimmte Kriterien erfüllen: Ein höheres Lebensalter - als Richtlinie gilt 70 Jahre und älter - und geriatrietypische Multimorbidität sind Voraussetzungen. Mit diesem Wortungetüm ist gemeint, dass der Patient an mehreren Krankheiten leidet und typische Altersbeschwerden hat, etwa gehbehindert und wenig körperlich belastbar ist oder viele verschiedene Medikamente einnehmen muss. Bei Über-80-Jährigen müsse nur eine schwere Krankheit vorliegen, sagt Gogol, der als Chefarzt einer geriatrischen Klinik arbeitet.

Was ist das Ziel der geriatrischen Reha?

Behinderungen oder eine Pflegebedürftigkeit sollen abgewendet oder beseitigt werden, Verschlimmerungen verhindert und mögliche Folgen gemildert werden, erklärt Jutta Herdemerten, Reha-Expertin bei der DAK Gesundheit in Hamburg. «Ziel ist der möglichst weitgehende Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität», ergänzt Lübke. Das könne schon bedeuten, dass ein Patient nach der Reha wieder in der Lage ist, sich ohne Hilfe zu waschen und anzuziehen.

Wie kommen Patienten an einen Platz?

Sehr häufig schließt die geriatrische Reha an eine Krankenhausbehandlung an. Diese sogenannte Anschlussheilbehandlung wird üblicherweise vom Krankenhaussozialdienst beantragt. Komplizierter wird es, wenn sich Patienten an ihren Hausarzt wenden. Denn nur Ärzte mit einer Zusatzausbildung dürfen eine Reha verordnen. Eine dritte Möglichkeit ist, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung eine geriatrische Reha vorschlägt, wenn er jemanden wegen einer Pflegestufe begutachtet.

Der Reha-Antrag wird vom Kostenträger - in der Regel ist das die Krankenkasse - geprüft. Stimmt er zu, bekommt der Patient einen Bescheid, in dem die Dauer der Reha und eine Klinik genannt werden. Die geriatrische Reha findet selten ambulant statt. Meistens werden die Patienten in geriatrischen Abteilungen von Krankenhäusern oder in spezialisierten Einrichtungen behandelt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer