Köln (dpa/tmn) - Jugendliche nehmen ihren Alkoholkonsum oft nur verzerrt war. Werden sie von Freunden oder ihrer Familie häufiger auf ihr Trinkverhalten angesprochen, ist das ein Alarmsignal.

«Es zeigt, dass Fremd- und Selbstwahrnehmung nicht übereinstimmen und etwas in die Schieflage geraten ist», sagte Michaela Goecke von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Das subjektive Rauschempfinden sei oft kein geeigneter Gradmesser. «Die Hirnreifung ist bei Jugendlichen noch nicht abgeschlossen. Deshalb sollten sie sich an bestimmten Konsumgrenzen orientieren, auch wenn sich diese niedrig anhören», sagt die Leiterin der Suchtprävention. Für erwachsene Frauen liege die Grenze bei 0,3 Litern Bier oder Wein täglich, Männer sollten maximal 0,6 Liter konsumieren. Jugendliche sollten deutlich weniger als diese Menge trinken.

Der am Dienstag (17. Mai) vorgestellte Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zeigt, dass es beim berüchtigten Komasaufen keine Trendwende gibt. Vor allem Jungen trinken sich regelmäßig bewusstlos. Jeder fünfte 12- bis 17-Jährige trinkt sich mindestens einmal pro Monat in einen Rausch, bei den 18- bis 25-Jährigen war es sogar jeder zweite. 2009 wurden 26 400 Menschen zwischen 10 und 20 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs akut im Krankenhaus behandelt - 2,8 Prozent mehr als noch 2008, sogar 178 Prozent mehr als 2000.

Alkohol trinken sei bei Jugendlichen vor allem ein Gruppenphänomen: «Es geht ihnen darum, Erlebnisse zu intensivieren oder leichter Kontakte zu knüpfen», so Goecke. Aus Angst oder Kummer werde dagegen nur selten zur Flasche gegriffen.

Eltern sollten das Trinkverhalten ihrer Kinder nicht gleichgültig begleiten oder Ausfälle am Wochenende hinnehmen. Verbote seien allerdings auch keine Lösung. «Versuchen Sie, gemeinsam mit den Kindern Regeln fürs Trinken festzulegen und Grenzen zu setzen. Machen Sie deutlich 'Ich mache mir Sorgen um dich'», rät Goecke.

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