Selbstverteidigung für Kinder
In Selbstverteidigungskursen lernen Kinder, sich vor Angriffen zu schützen.

In Selbstverteidigungskursen lernen Kinder, sich vor Angriffen zu schützen.

Wiedl/dpa/tmn

In Selbstverteidigungskursen lernen Kinder, sich vor Angriffen zu schützen.

Hamburg/Wuppertal (dpa/tmn) - Stark und selbstbewusst: So sollen Kinder nach Wunsch der Eltern auftreten. In Selbstbehauptungs- oder Selbstverteidigungskursen können sie dieses Verhalten einüben. Bei der Wahl des Kurses gibt es aber einige wichtige Punkte zu beachten.

Tritte auf dem Schulhof, Prügel auf dem Nachhauseweg und Übergriffe von fremden Erwachsenen: In den Medien tauchen immer wieder Berichte über Gefahren für Kinder auf. Kein Wunder, dass die Anzahl der Selbstbehauptungskurse für Kinder in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Mädchen und Jungen sollen dort lernen, sich gegen bestimmte Situationen zur Wehr zu setzen. Dabei sollten Eltern allerdings nicht den erstbesten Kurs buchen, sondern sich die Angebote genauer anschauen.

Meist wird zwischen zwei verschiedenen Kursarten unterschieden: Selbstbehauptungskurse und Selbstverteidigungskurse. Martina Huxoll, Fachberaterin «Gewalt gegen Kinder und Jugendliche» beim Landesverband des Deutschen Kinderschutzbundes in Wuppertal, betont: «Selbstverteidigung meint, sich mit bestimmten Techniken in einer überfallartigen Notsituation körperlich zur Wehr setzen zu können und den Angreifer abzuwehren.»

Allerdings seien diese körperlichen Techniken für Kinder meist nicht ausreichend - ein Kind könne sich häufig nicht gegen einen Erwachsenen behaupten, sagt die Expertin. Bei Selbstbehauptungskursen dagegen steht oft nicht die körperliche Verteidigung im Mittelpunkt, sondern ist Teil des Angebots. Diese Kurse informieren über Gewalt und sollen die Abgrenzungs- und Durchsetzungsfähigkeit stärken.

Wichtig ist bei den Angeboten natürlich, dass sie kindgerecht sind. «Kinder sollten spielerisch an das Thema herangeführt werden und dabei - je nach Angebot - erste, vereinfachte Verteidigungstechniken lernen», sagt Birgit Arendt, Sprecherin des Deutschen Judo-Bundes in Frankfurt/Main. Bei den Kursen für Kinder ginge es meist nicht darum, spezielle Techniken zur Selbstverteidigung zu lernen. Stattdessen sollten die Mädchen und Jungen Selbstbewusstsein tanken. «Wer das ausstrahlt, hat möglicherweise schon allein dadurch ein geringeres Risiko angegriffen zu werden als jemand, der duckmäuserisch ist.»

Auch die Qualifikationen der Kursleitung sollten genau geprüft werden. Der Kurs müsse von Trainern geleitet werden, «die über fundierte pädagogische Kenntnisse und Erfahrung in der Arbeit mit Kindern verfügen und sich regelmäßig fortbilden», heißt es beispielsweise in einem Faltblatt des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg zusammen mit der Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg. Problematisch sei auch, wenn die Angst der Eltern und Kinder forciert werde. «Wird vom Kursanbieter viel über steigende Kriminalität, Überfälle und Sexualstraftaten durch Fremdtäter gesprochen, so ist das eine unseriöse Werbestrategie, die mit den Ängsten der Eltern und Kinder spielt», heißt es weiter.

Überhaupt sollten Eltern bei unseriöser Werbung stutzig werden, empfiehlt Martina Huxoll vom Kinderschutzbund NRW. «Kein noch so guter Kurs kann Kinder oder Jugendliche umfassend schützen, da ein Kind einem Erwachsenen immer unterlegen ist.» Ein Kurs könne niemals für die komplette Sicherheit der Kinder garantieren. «Niemand kann in wenigen Tagen ein selbstbewusstes und abwehrbereites Kind versprechen - und dies tatsächlich einhalten.» Ein Fehler sei auch, durch große Versprechungen sowohl die Kinder als auch Eltern in falscher Sicherheit zu wiegen. «Oder dazu beizutragen, dass die Mädchen und Jungen sich selbst überschätzen.»

Deshalb sollten sich Eltern nicht nur auf die Selbstbehauptungs- und verteidigungskurse verlassen. «Viele Eltern haben große Angst vor Fremdtätern und Entführung», sagt Huxoll. Diese Angst könne sich auf die Kinder übertragen. Sie sollten daher in einer Informationsveranstaltung zu Beginn des Trainings über den Ablauf und die Inhalte genau informiert werden. «Darüber hinaus sollten sie unbedingt erfahren, wie sie selbst mit der Erziehung zum Schutz ihrer Kinder beitragen können.» Denn ein Kurs könne die familiäre Vorbeugungsarbeit zwar ergänzen, aber keinesfalls ersetzen.

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