Heidelberg (dpa) - Hartnäckige Schulschwänzer werden von der Polizei zum Unterricht gebracht. Für Hilfen ist es dann oft zu spät. Heidelberger Mediziner setzen daher auf Prävention.

Mobbing, Versagensängste oder Depressionen sind häufig Gründe, warum Kinder und Jugendliche die Schule schwänzen. Das sagte Christoph Lenzen von der Uniklinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie Heidelberg am Dienstag (29. März). Schulschwänzer litten oft unter psychischen Problemen und benötigten Unterstützung. Die Uni-Klinik beteiligt sich daher an einem europaweiten Forschungsprojekt, bei dem verschiedene Präventionsprogramme getestet werden sollen. An der Studie sollen sich ab Oktober 1600 Schüler zwischen 14 und 18 Jahren aus dem Rhein-Neckar-Gebiet beteiligen, europaweit sind es insgesamt 9600 Jugendliche aus sechs Ländern.

«Schulische Überforderung, psychische Probleme wie Angst oder Depressionen sowie Mobbing durch Mitschüler sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Kinder und Jugendliche in der Schule fehlen», sagte Lenzen. «Mit der Studie wollen wir sowohl die klassischen Schulschwänzer erreichen wie auch die Kinder, die emotional bedingt die Schule verweigern.» Schulängste könnten sich auch hinter vermeintlich harmlosen Bauchschmerzen oder häufiger Übelkeit verbergen. An dem Forschungsprojekt mit dem Namen «We stay» beteiligen sich Hauptschulen, Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien im Rhein-Neckar-Gebiet. Lehrer und Eltern werden einbezogen, sagte der Leiter der Studie, Professor Romuald Brunner bei der Vorstellung des Projektes.

Laut Uniklinikum Heidelberg fehlen bis zu zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen mehr als zweimal im Monat in der Schule. Wenn keine anderen Maßnahmen mehr greifen werden hartnäckige Schwänzer bislang von der Polizei zum Unterricht gebracht. Die Forscher setzen hingegen auf Prävention. Sie wollen vier verschiedene Programme testen, die je acht Wochen laufen.

Bei dem Programm «Schulfehlzeiten-Kontrolle» werden die Fehltage der Schüler erfasst und den Jugendlichen zurückgemeldet. Ein weiteres Programm bietet zusätzlich eine professionelle Beratung für alle Jugendlichen. Beim «Schülertraining» wird im Unterricht umfassend über das Thema Schulverweigerung informiert. Das vierte Programm setzt sich aus der Beratung und dem «Schülertraining» zusammen.

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