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Wenn Eltern schon so kaum über die Runden kommen, müssen ihre Kinder oft auf teures Freizeitvergnügen verzichten.

Wenn Eltern schon so kaum über die Runden kommen, müssen ihre Kinder oft auf teures Freizeitvergnügen verzichten.

dpa

Wenn Eltern schon so kaum über die Runden kommen, müssen ihre Kinder oft auf teures Freizeitvergnügen verzichten.

Berlin (dpa/tmn) - Kein Geld für einen Urlaub, das neue Fahrrad oder einen Kinobesuch - haben Eltern wenig Einkommen, sollten sie das ihrem Kind gegenüber nicht schönreden. Kostenlose Angebote, etwa in Jugendzentren, können bei der Freizeitgestaltung helfen.

«Eltern sollten erklären, warum es knapp mit dem Geld ist oder sie arbeitslos sind. Dabei können sie ruhig zugeben 'Ich finde es auch schade, dass wir nicht ins Kino gehen können'», sagte Michael Kruse vom Deutschen Kinderhilfswerk. Kindern könnten es besser verstehen, wenn die Eltern zu ihrer finanziellen Situation stehen und sich nicht dafür schämen. «Und die Eltern entlastet solch ein Gespräch auch.»

Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch (3.8.) in Berlin mitteilte, ist jedes sechste Kind in Deutschland von Armut bedroht. Das bedeutet, dass das Netto-Einkommen in ihrem Elternhaus unter dem Schwellwert von 11 151 Euro pro Jahr liegt. Die meisten armutsgefährdeten Kinder leben in Haushalten von Alleinerziehenden. Mehr als jedes dritte Kind, das nur von Mutter oder Vater betreut wird, gilt als armutsgefährdet.

Am schlimmsten sei für Kinder die sogenannte geistige Armut: «Das bedeutet: keine Zuneigung, die Eltern stehen morgens nicht auf, um Frühstück zu machen und kümmern sich nicht», erklärt Kruse. Die materielle Armut - kein Auto oder ein großer Fernseher - werde seiner Erfahrung nach von Kindern besser verkraftet.

Trotzdem fühlten sich viele Mädchen und Jungen stigmatisiert, wenn sie in der Schule beispielsweise keine Markenklamotten tragen können. «Das ist ein ganz wunder Punkt.» Die Erklärung der Eltern, dass man sich die teure Jeans für 150 Euro nicht leisten könne, helfe da oft wenig. Besser sei es, wenn Eltern das Gespräch mit dem Lehrer suchen: «Schildern Sie ihm Ihre Situation und fragen Sie, ob er das Thema in der Klasse des Kindes besprechen kann», empfiehlt Kruse. Dadurch werde es aus der Tabuzone geholt, was Hänseleien stoppen könne.

Schwierig wird es für Eltern bei den Hobbys. Denn egal ob Eis essen, ins Kino oder schwimmen gehen: «Hobbys von Kindern sind oft mit Geld verbunden.» Oft bleibe Müttern und Vätern nur die Möglichkeit, kostenlose Angebote in Jugendzentren ausfindig zu machen. «Am besten wird etwas im eigenen Stadtteil gesucht. Denn sonst fehlt das Geld für die Fahrkarte.» Eltern könnten aber auch selbst ein paar günstige Alternativen anbieten, etwa eine Fahrradtour machen, spazieren gehen oder gemeinsam kochen. «Wichtig ist nur, dass es gemeinsam mit den Kindern gemacht wird.»

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