Ein Leben ohne Kind
Ein Hund als Ersatzkind? Verzichten Paare auf Kinder, sollten sie sich sicher sein, dass sie ihre Entscheidung später nicht bereuen.

Ein Hund als Ersatzkind? Verzichten Paare auf Kinder, sollten sie sich sicher sein, dass sie ihre Entscheidung später nicht bereuen.

Grubitzsch/dpa/tmn

Ein Hund als Ersatzkind? Verzichten Paare auf Kinder, sollten sie sich sicher sein, dass sie ihre Entscheidung später nicht bereuen.

Berlin/Heidelberg (dpa/tmn) - Ein Leben ohne Nachwuchs ist ein gängiger Lebensentwurf. Für Paare kann die Kinderlosigkeit mehr Freiheit und materielle Sicherheit bedeuten. Ob sie sich irgendwann doch nach Kindern sehnen, erfahren viele erst, wenn die Chance verpasst ist.

Andrea ist sich eigentlich sicher: Sie möchte keine Kinder haben. Die 39-Jährige weiß, dass sie nicht mehr lange Zeit hat, um an dieser Entscheidung zu rütteln. Wenn sie ihre Freunde mit kleinen Kindern sieht, fühlt sie sich in ihrer Entscheidung sogar bestätigt: «Die wirken mit ihrem Elterndasein oft ganz schön gestresst.» Tatsächlich kann das Leben und die Beziehung zum Partner ohne Nachwuchs in vielen Dingen leichter sein. Die Entscheidung gegen Kinder sollte aber gut durchdacht sein - denn sie ist meist nicht mehr rückgängig zu machen.

Das erste Kind stellt viele Beziehungen auf die Probe. Studien zufolge trennen sich viele Paare im ersten Jahr nach der Geburt. «Dieses erste Jahr muss man allerdings in Relation zu kinderlosen Paaren sehen, die sich insgesamt viel häufiger trennen, als Paare mit Kindern», sagt Jan Eckhard vom Institut für Soziologie an der Universität Heidelberg.

Dennoch ebnen Kinder nicht für jedes Paar den Weg zum Glück. Gerade Frauen fallen mit Kindern oftmals in das alt hergebrachte Rollenbild zurück. «Retraditionalisierung der Beziehung» heißt das in der Fachsprache. Das bedeutet, dass die Frau bei der Arbeitsteilung zurücksteckt und «die Mütter die Verantwortung mehr oder weniger allein schultern müssen», bestätigt Marina Rupp vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg.

«Das birgt Konfliktstoff», meint auch Eckhard. Gerade Frauen, die ihr selbstbestimmtes Leben schätzen, haben oft Probleme damit, sich in ihrer Mutterrolle zurechtzufinden. «Das liegt aber in erster Linie daran, dass Beruf und Familie in unserer Gesellschaft nur schlecht vereinbar sind», sagt der Soziologe.

Wenn sich aber nur der Vater beruflich verwirklichen kann, belastet das die Beziehung. «Die berufliche Selbstverwirklichung sollte aber nicht der einzige Grund sein, sich gegen ein Kind zu entscheiden», sagt Marina Rupp. Besonders fatal wirkt es sich aus, wenn die Entscheidung vertagt wird. «Viele wünschen sich zwar ein Kind, aber es passt gerade nicht in ihr Leben,» sagt Rupp. Man möchte schließlich alles in trockenen Tüchern wissen, bevor der Nachwuchs kommt. So verpassen viele Paare den letztmöglichen Zeitpunkt für leibliche Kinder.

Das trifft Frauen besonders hart, weil für sie der Zug oft abgefahren ist. Die Gefahr besteht also darin, dass Paare ihre Entscheidung bitter bereuen. «Das ist ziemlich häufig der Fall», sagt Jan Eckhard. Deshalb rät Marina Rupp, sich vorab mit möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen: «Frauen müssen sich darüber klar sein, dass ein Zeitpunkt kommt, an dem ihre Entscheidung irreversibel ist. Sie müssen sich auch fragen, was das für ihre Partnerschaft bedeutet. Und sie sollten überlegen, welche Aspekte für ihr Leben zentral und sinnstiftend sind, worüber sie sich als Frau definieren, um nicht von außen angreifbar zu werden. Damit verbunden ist, dass sie sich damit auseinandersetzen sollten, wie ihr Umfeld darauf reagieren wird.»

Gemeinsam andere Projekte zu entwickeln, kann der Beziehung Halt geben und sie lebendig halten, so Rupp: «Je klarer die Entscheidung ist, weshalb man keine Kinder möchte, was man stattdessen möchte und warum beides nicht zusammen geht, umso weniger läuft man Gefahr, der Elternschaft als verlorene Chance hinterherzutrauern.»

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