Die USA gelten seit jeher als Land des Fortschritts und der persönlichen Freiheit. Dennoch überrascht ein neues Gesetz, das seit dem 1. Januar 2014 in Kraft ist. Denn von nun an ist es im US-Bundesstaat Colorado offiziell erlaubt, Cannabis auch aus nicht-medizinischen Zwecken zu verkaufen, zu erwerben und zu konsumieren. Als zweiter Staat soll Washington folgen.

Möglich macht dies ein Bundesgesetz, das die Entscheidungsgewalt über die Illegalität oder Legalität von Cannabis auf die Ebene der Bundesstaaten verlagert. In Colorado und Washington wurde schon im November 2012 per Volksabstimmung die Legalisierung des privaten Konsums von Cannabis beschlossen. Nach über einem Jahr sind nun die gesetzlichen Grundlagen geschaffen und der Verkauf in lizensierten Coffeeshops kann beginnen.

Auch das wirtschaftliche Interesse an Cannabis ist hoch. So stiegen am Donnerstag, den 2.1.2014 die Aktienkurse verschiedener Unternehmen, die sich mit der Vermarktung oder der Produktion von Cannabis oder Produkten rund um die Pflanze beschäftigen merklich an. Mit einer Steigerung von fast 70 Prozent steht MediSwipe, ein Unternehmen, das Zahlungssysteme für die Medizinbranche anbietet, an der Spitze. Aber auch GreenGro, ein Anbieter für Lampen zum Cannabisanbau, konnte sich über einen Anstieg seiner Aktie um mehr als 50 Prozent freuen.

Und auch die Werbung macht sich das neue Gesetz und seine Folgen zu Nutze. So postete der Eishersteller Ben & Jerry‘s via Twitter ein Bild von einem bis auf eine Eispackung geleerten Kühlschrank mit einem Textverweis auf den Ausverkauf ihrer Produkte in Colorado und spielt damit auf die durch Cannabisgebrauch verursachten Essattacken an.

Die wirtschaftlichen Erwartungen, die sich mit der Legalisierung von Cannabis verknüpfen, konnten demnach fürs Erste erfüllt werden. Wie sich dieser Trend über das Jahr weiterentwickelt, bleibt zu beobachten. Als neue Marktlücke könnte sich auch der Handel mit Cannabis im Internet erweisen. Shops wie Sensi Seeds B.V. machen es vor. Dort kann online Hanf-Saatgut erworben werden. Darüber hinaus erhält der Interessent wertvolle Tipps für den Anbau und über die unterschiedliche Wirkung der verschiedenen Pflanzentypen. So wird zum einen eine Plattform für den Handel geschaffen und gleichzeitig für Information und Aufklärung gesorgt.

Cannabis liegt im Trend, dennoch geht Colorado nicht naiv an die Legalisierung. Schon länger gehört der US-Bundesstaat zu jenen 20 Staaten, die Cannabis zu medizinischen Zwecken erlauben. Und auch der nun legalisierte Privatgebrauch zu nicht-medizinischen Zwecken folgt genauen Vorgaben. Zunächst ist der Verkauf, Erwerb und Konsum erst ab 21 Jahren gestattet. Cannabis darf nur privat und nicht in der Öffentlichkeit konsumiert werden. Bis zu einer Unze, umgerechnet ungefähr 28 Gramm, können pro Person erworben werden.

Die Shops, die Cannabispflanzen und Saatgut verkaufen, müssen lizensiert sein. In Colorado wurden bisher 348 solcher Lizenzen vergeben. In Washington sollen 3746 Lizenzen beantragt worden sein. Gleich nach Inkrafttreten des Gesetzes und der Öffnung der ersten Shops konnten sich diese über einen großen Andrang freuen. Wegen der hohen Nachfrage stiegen die Preise zeitweise auf das Doppelte. Das freut die Wirtschaft, schürt auf der anderen Seite aber auch die Angst nach einem neuen „legalen“ Schwarzmarkt.

Dem soll mit einer elektronischen Registrierung der Pflanzen entgegengewirkt werden, die eine korrekte Versteuerung sicherstellt und verhindert, dass legal angebauter Cannabis auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird.

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