Der Bleistift ist ihr ständiger Begleiter: Denkmaltechnische Assistenten brauchen künstlerisches Geschick. Foto: Christiane Mertag/Knobelsdorff-Schule
Der Bleistift ist ihr ständiger Begleiter: Denkmaltechnische Assistenten brauchen künstlerisches Geschick. Foto: Christiane Mertag/Knobelsdorff-Schule

Der Bleistift ist ihr ständiger Begleiter: Denkmaltechnische Assistenten brauchen künstlerisches Geschick. Foto: Christiane Mertag/Knobelsdorff-Schule

In den Werkstätten lernen die Schüler die Eigenschaften der verschiedenen Materialien kennen. Foto: Christiane Mertag/Knobelsdorff-Schule

Sehen ihre Umgebung oft mit anderen Augen: Denkmaltechnische Assistenten lernen, welche Fenster- und Dachformen typisch für die jeweilige Epoche sind. Foto: Christoph Hertz/Knobelsdorff-Schule

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Der Bleistift ist ihr ständiger Begleiter: Denkmaltechnische Assistenten brauchen künstlerisches Geschick. Foto: Christiane Mertag/Knobelsdorff-Schule

Berlin (dpa/tmn) - Der letzte Winkel muss ausgemessen werden: Wer den Beruf des denkmaltechnischen Assistenten lernt, darf keine Angst vor Schmutz haben. Die Fachleute vermessen und dokumentieren den Zustand alter Häuser. Und sehen ihre Umgebung oft mit anderen Augen.

Wenn Danny Koch durch die Straßen läuft, fallen ihm Dinge auf, die anderen Menschen meist verborgen bleiben. Das sind zum Beispiel kleine Schäden an den Fassaden, Fenster- und Dachformen und Bauelemente, die typisch sind für ihre Epoche. «Ich gehe mit anderen Augen durch die Stadt», sagt er. Koch ist 22 Jahre alt und im zweiten Jahr seiner Ausbildung zum denkmaltechnischen Assistenten.

Schulabgänger können den Beruf deutschlandweit an zwei Schulen lernen, in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Mit dem Abschluss haben die Azubis auch die Fachhochschulreife. Sie lernen Kunstepochen, Baustile sowie den Umgang mit verschiedenen technischen Geräten. Mit Laser, Prisma und Zollstock ziehen sie los, um historische Gebäude zu erfassen und die Messungen anschließend in den Computer einzugeben. Bis ins Detail vermessen und zeichnen sie die Häuser: Winkel, Fenster, manchmal sogar die einzelnen Backsteine einer Fassade. So können die Fachkräfte den Zustand der Gebäude genau dokumentieren.

Mit Planungsprogrammen erstellen sie dann digitale Bestandspläne - eine wichtige Grundlage für Umbau- oder Sanierungsarbeiten. Denkmaltechnische Assistenten sind dabei eine Art Vermittler zwischen Denkmalschützern und Architekten.

Dieter Freialdenhoven leitet die Ausbildung am Börde-Berufskolleg in Soest in Nordrhein-Westfalen. Hier wurde die Ausbildung vor mehr als 20 Jahren erstmals eingeführt und vor zwei Jahren in Bautechnischer Assistent mit Schwerpunkt Denkmalpflege umbenannt. An den Inhalten habe das nichts geändert und schon gar nicht an der Bedeutung, sagt Freialdenhoven. «Gerade in den vergangenen Jahren ist der Beruf immer wichtiger geworden.»

Der Grund dafür sei die Verdichtung der Innenstädte sowie der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum. Historische Häuser werden neu genutzt, Kasernen zu Wohnhäusern, ehemalige Verwaltungsgebäude zu Universitäten. «Umnutzung ist nicht nur ökologisch besser, sondern oft auch billiger als Neubau», erklärt Freialdenhoven. Hinzu kommt der demografische Wandel. Viele Wohnungen werden in den kommenden Jahren ihre alteingesessenen Mieter verlieren. Jüngere Bewohner rücken nach, die eigene Vorstellungen von Architektur haben und die alten Wohnungen gerne anders gestalten möchten. Die Bestandspläne sind ein wichtiger Schritt in einem solchen Umnutzungs- oder Restaurierungsprozess.

Denkmaltechnische Assistenten kommen daher nach ihrem Abschluss oft in Architektur- oder Ingenieurbüros unter, aber auch in Denkmal- und Kirchenbauämtern. Andere nutzen die Fachhochschulreife und die in der Ausbildung gewonnenen Kenntnisse, um zu studieren - Architektur oder Bauingenieurwesen, Kunstgeschichte oder Archäologie. «Die Ausbildung ist besonders breit angelegt», erzählt Christiane Mertag, Fachleiterin für die Ausbildung der Denkmaltechnischen Assistenten an der Berliner Knobelsdorff-Schule.

Neben der Theorie gibt es während der Ausbildung verschiedene Praktika. Das Börde-Berufskolleg nimmt auch regelmäßig Projektaufträge gemeinnütziger Träger an. Die Knobelsdorff-Schule hat eigene Werkstätten. Hier lernen die Schüler die Eigenschaften der verschiedenen Materialien kennen, formen Stuckelemente aus Gips und Wände aus Lehm. Sie sollen den verantwortungsbewussten Umgang mit den Denkmälern lernen. «Wir wollen, dass die Schüler sensibilisiert werden für die Schönheit und den Erhalt der Gebäude», sagt Mertag.

Wer sich für die schulische Ausbildung bewerben möchte, braucht den mittleren Bildungsabschluss. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Bautechnik und Denkmalrecht. Technisches Verständnis ist eine wichtige Voraussetzung. Außerdem dürfen Bewerber keine Höhenangst haben, weil sie zum Beispiel auf Gerüste steigen müssen. Auch Menschen mit Scheu vor Staub oder Schmutz sind hier fehl am Platz. Um in den Plänen auch die Gebäude zu erkennen, braucht es ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. «Auch künstlerisches Geschick ist wichtig», erzählt Koch. Er selbst hat sich stets mit Mathe schwergetan, dafür gern gezeichnet. Der Bleistift ist heute sein Arbeitsgerät und ständiger Begleiter.

Es ist diese Mischung aus Geschichte und Technik, Kunst und Handwerk, die viele an dem Beruf schätzen. Wie es weitergeht nach der Ausbildung, weiß Danny noch nicht. Vielleicht sucht er sich direkt einen Job, vielleicht wird er doch noch studieren: Architektur oder Bautechnik - wer weiß.

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