Berlin (dpa/tmn) - Viele Jugendliche nutzen die Nachvermittlung von Lehrstellen nicht. Dabei können Spätstarter so noch einen Ausbildungsplatz finden. Darauf weist sagte Thilo Pahl, Ausbildungsexperte vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), hin.

«Die Chancen in der Nachvermittlung sind so gut wie nie», sagte Pahl. Viele ließen diese Chancen aber ungenutzt: In diesem Jahr seien weniger als die Hälfte (46 Prozent) der Jugendlichen zur Nachvermittlung gekommen, die von den Kammern dazu eingeladen wurden. Das sei der niedrigste Wert, den der DIHK seit 2005 verzeichnet hat.

Die Nachvermittlung, die seit Anfang Oktober läuft, gehe derzeit zwar zu Ende, erläuterte Pahl. Jugendliche müssten aber nicht aufgeben, wenn sie bislang bei der Lehrstellensuche leer ausgegangen sind. Denn es gebe in vielen Regionen immer noch unbesetzte Plätze. Der Hintergrund sei, dass die gesunkene Zahl der Schulabgänger sich positiv auf das Verhältnis zwischen Bewerbern und Stellen ausgewirkt hat. Dadurch hätten Jugendliche etwa im Osten, aber auch in einigen Gegenden Süddeutschlands durchaus noch Chancen, auf den letzten Drücker einen Ausbildungsplatz zu ergattern. «Es lohnt sich auf jeden Fall, sich zu melden, wenn man noch auf der Suche ist», riet Pahl.

Nach aktuellen Daten des DIHK fangen in Ostdeutschland immer weniger Jugendliche eine Lehre an: So wurden dort bis Ende November 8,9 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. In Westdeutschland stieg die Zahl dagegen um 2 Prozent. Insgesamt verzeichneten die Industrie- und Handelskammern gut 332 000 neue Ausbildungsverträge.

Die Ende September noch unversorgten Bewerber hatten in diesem Jahr eine besonders große Auswahl an freien Stellen: Im bundesweiten Schnitt kamen auf einen Jugendlichen in der Nachvermittlung 3,3 betriebliche Ausbildungsplätze. Das war der höchste Wert, den die Kammern bisher registriert haben. Im Jahr 2006 lag die Quote noch bei 0,8. In der Region «Regensburg/Oberpfalz/Kelheim» waren pro Bewerber sogar 60 Ausbildungsplätze frei.

Zu spät sei es noch nicht, ins aktuelle Ausbildungsjahr einzusteigen, erklärte Pahl. «Eine Ausbildung kann man grundsätzlich immer beginnen.» Wer erst im Dezember mit der Lehre anfängt, müsse allerdings mit seiner Ausbildungsstätte klären, wie er beispielsweise verpasste Inhalte in der Berufsschule nachholen kann.

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