Mutter und Kind in der Uni
Baby an Bord: Für studentische Eltern ist es nicht einfach, das Lernen und die Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen.

Baby an Bord: Für studentische Eltern ist es nicht einfach, das Lernen und die Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen.

Jensen/dpa/tmn

Baby an Bord: Für studentische Eltern ist es nicht einfach, das Lernen und die Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen.

München/Berlin (dpa/tmn) - Der Abgabetermin für die Hausarbeit rückt immer näher. Das Baby kümmert das wenig. Es schreit und hat Hunger. Beides unter einen Hut zu bringen, ist keine leichte Sache. Studenten mit Kind brauchen daher vor allem eins: Organisationstalent.

Für Eltern im Studium ist es oft ein Spagat, das Lernen und die Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren. «Viele sind damit am Anfang überfordert», sagt Anke van Kempen, Sprecherin des Studentenwerks München. Gerade durch die verschulten Studienpläne im Bachelor ist es für Mütter und Väter noch schwieriger geworden, ihren Uni-Alltag zu organisieren.

Die Hochschulen bieten aber spezielle Hilfen für Studenten mit Kindern an, damit sie den Elternalltag besser bewältigen können. An der Freien Universität (FU) Berlin werden sie zum Beispiel bevorzugt für Seminare zugelassen, erklärt Michaela Volkmann vom Familienbüro der Uni. So können sie beliebte Seminare auch zu Zeiten besuchen, in denen Kindertagesstätten geöffnet sind.

Studenten mit einem neugeborenen Kind müssen sich außerdem gut überlegen, was sie pro Semester schaffen können. Sie sollten sich daher nicht gleich 30 Stunden pro Woche aufhalsen, sondern Zeitpuffer in ihren Alltag einbauen, rät Anke van Kempen. Vielleicht sind aber auch die Großeltern bereit, ab und zu auf das Kind aufzupassen, während die Eltern studieren oder jobben. Das müssen Studenten aber rechtzeitig mit Oma und Opa absprechen.

Haben die Großeltern keine Zeit, können Studenten mit Kind auf die Betreuungsangebote der Hochschulen zurückgreifen. Die Wartelisten für die Kindertagesstätten sind jedoch sehr lang. Sobald man schwanger ist, sollte man sich nach diesen Angeboten erkundigen, rät van Kempen. An der FU Berlin gibt es auch Räume zum Stillen und Wickeln.

Gerade mit einem Neugeborenen kann es aber auch Sinn machen, sich beurlauben zu lassen - anstatt das Studium ganz abzubrechen. «Das lohnt sich immer dann, wenn man eine Pause braucht, weil der Uni-Alltag zu viel Energie auffrisst», sagt Annika Bosse vom Verein Unieltern in Hamburg. Ein positiver Nebeneffekt davon ist: Die Semesterzahl steigt nicht weiter. «Inzwischen kann man sich beurlauben lassen und trotzdem Scheine erwerben», ergänzt van Kempen.

Selbst angehende Naturwissenschaftler müssen in der Schwangerschaft nicht sofort ihr Studium unterbrechen. In Berlin etwa gibt es für schwangere und stillende Studentinnen interaktive Praktikumsexperimente am PC. «Das hilft den Studentinnen, die nicht mit toxischen Stoffen in Verbindung kommen dürfen», erklärt Volkmann.

Oft hilft bei Problemen im Studium auch ein Gespräch mit dem Professor. Das gilt etwa dann, wenn Studenten mit Kind mit ihrer Hausarbeit nicht pünktlich zur Abgabefrist fertig werden. «Man kann den Professor um eine Fristverlängerung bitten», rät van Kempen. Ähnlich ist es mit der Anwesenheitspflicht im Seminar, ergänzt Volkmann: «Die Anwesenheitspflicht ist oft verhandelbar».

Die Probleme in der Universität sind aber nur eine Sache. Oft quälen Studenten mit Kind auch Geldsorgen - nämlich dann, wenn sie Studium, Kind und Beruf nicht unter einen Hut bekommen. Dann können sie finanzielle Hilfen nutzen. Sie erhalten wie Berufstätige Elterngeld. Wer zuvor kein Einkommen hatte, bekomme den Mindestsatz von 300 Euro, erklärt Bosse. Während eines Urlaubssemesters können Studierende außerdem Arbeitslosengeld II beantragen.

Wer sich als Mutter oder Vater an der Hochschule dennoch überfordert oder alleingelassen fühlt, sollte sich rasch Hilfe suchen. An einigen Universitäten werden Gesprächskreise angeboten, in denen sich Eltern mit einem Berater treffen und reden können.

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