Gütersloh/Bonn (dpa) - Die milliardenteuren Kurse zur beruflichen Qualifizierung von Jugendlichen sind einer Studie zufolge oft nicht ihr Geld wert. Außerdem sei das Wirrwarr der zahllosen Angebote selbst für Fachleute kaum zu überblicken.

Unterm Strich sei das System der Hilfen für den Berufseinstieg zwar unverzichtbar, aber dringend reformbedürftig. Für die am Donnerstag (13. Januar) veröffentlichte Studie hatten das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Bertelsmann Stiftung bundesweit rund 500 Berufsbildungsexperten befragt.

2009 waren knapp 350 000 Jugendliche in der Warteschleife, weil sie nach ihrem Schulabschluss nicht gleich eine Berufsausbildung fanden. Das Übergangssystem soll die Jugendlichen fit für die Ausbildung machen und kostet nach Schätzungen von Fachleuten jährlich mehr als vier Milliarden Euro.

89 Prozent der befragten Fachleute sagen, dass es beim Einsatz von Geld und Personal an Effektivität mangele. Mehr als drei Viertel kritisieren das unüberschaubare Angebot. 81 Prozent der Berufsbildungsfachleute sind der Meinung, dass auch in Zukunft Maßnahmen und Aktivitäten erforderlich sein werden, um Jugendlichen beim Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung zu helfen.

Für eine bessere Vorbereitung der Jugendlichen fordern mehr als 80 Prozent der Befragten ein Schulfach «Berufsorientierung». Zudem solle es für alle «gefährdeten Jugendlichen» eine individuelle Übergangsbegleitung von der Schule in die Ausbildung mit einer festen Vertrauensperson geben.

Deutschland könne es sich nicht mehr leisten, viele Jugendliche erst über Umwege oder Warteschleifen in eine Ausbildung zu bringen oder sie sogar ganz ohne Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt zu entlassen, sagte Jörg Dräger vom Vorstand der Stiftung. BIBB-Präsident Manfred Kremer forderte, die Programme und Initiativen besser zu vernetzen.

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