Schlecker-Filiale
Knapp 12 000 Schlecker-Beschäftigte bangen derzeit um ihren Job. Foto: Caroline Seidel

Knapp 12 000 Schlecker-Beschäftigte bangen derzeit um ihren Job. Foto: Caroline Seidel

dpa

Knapp 12 000 Schlecker-Beschäftigte bangen derzeit um ihren Job. Foto: Caroline Seidel

Köln (dpa/tmn) - Die Mitarbeiter von Schlecker zittern. Der Konzern will knapp 12 000 Stellen streichen. Doch Unternehmen können nicht beliebig Mitarbeiter kündigen. Sie müssen bei der Auswahl eine Vielzahl von sozialen Kriterien berücksichtigen.

Bei Schlecker fallen etliche Stellen weg - viele Mitarbeiter dürften sich jetzt fragen, wen es von ihnen treffen wird. Bei betriebsbedingten Kündigungen gibt es diesbezüglich feste Regeln. Der Arbeitgeber kann also nicht beliebige Mitarbeiter entlassen. Er muss bei der Auswahl vielmehr soziale Kriterien berücksichtigen, sagte Prof. Björn Gaul, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. Dazu gehören in der Regel vier Kriterien: das Alter, die Dauer der Betriebszugehörigkeit, eine Schwerbehinderung sowie Unterhaltspflichten. Ein Beispiel: Trifft der Wegfall einer Stelle entweder einen 50-Jährigen oder einen 30-Jährigen, muss der jüngere Arbeitnehmer gehen, sofern er nicht andere Kriterien geltend machen kann. Denn dann gilt der Jüngere als weniger schutzwürdig.

Muss ein Arbeitgeber wie Schlecker Insolvenz anmelden, gilt allerdings eine Besonderheit. «Hier entfällt die besondere Schutzwürdigkeit wegen einer Schwerbehinderung», sagte Prof. Gaul. Berücksichtigt würden nur die Kriterien Alter, Betriebszugehörigkeit sowie Unterhaltspflichten.

Wie am Mittwoch (29. Februar) bekannt wurde, ist bei der Drogeriekette Schlecker ein massiver Stellenabbau geplant. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kündigte an, dass rund 2400 Filialen geschlossen und knapp 12 000 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren werden.

Um feststellen zu können, welchem Mitarbeiter gekündigt werden kann, muss der Insolvenzverwalter zunächst einmal ermitteln, welche Mitarbeiter miteinander vergleichbar sind. «Platt gesagt, sind alle Mitarbeiter miteinander vergleichbar, die den gleichen Job machen und auf der gleichen Hierarchiestufe arbeiten», so Gaul. So seien etwa Verkäufer mit anderen Verkäufern vergleichbar, Filialleiter mit anderen Filialleitern und Regionalleiter mit anderen Regionalleitern. Stehen die Gruppen mit Mitarbeitern mit einer vergleichbaren Stelle fest, wird für jede Gruppe einzeln eine Sozialauswahl gemacht.

«In der Praxis macht der Insolvenzverwalter eine Excel-Tabelle, in die er die Namen aller Arbeitnehmer einer Gruppe schreibt», so Gaul. Dann würden für jeden Arbeitnehmer Punkte vergeben. Als Beispiel: Für das Alter bekommt ein Arbeitnehmer mit 30 Jahren 30 Punkte, ein Mitarbeiter mit 50 Jahren bekommt 50 Punkte. Weitere Punkte gibt es dann für Unterhaltspflichten etwa für Kinder und die Dauer der Arbeit für den Betrieb.

Das Ergebnis der Punktevergabe ist eine Rangfolge der Arbeitnehmer. Gekündigt werden am Ende diejenigen Arbeitnehmer, die am wenigsten Punkte haben und am unteren Ende der Daten-Tabelle stehen.

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