Ob Müller, Bierbrauer, Flugzeugmechaniker oder Maskenbildner: Es gibt viele interessante Berufe auch außerhalb der bekannten Branchen und Gewerke.

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Bierbrauer müssen sorgfältig sein, denn zu ihren Aufgaben gehört es auch, komplexe Geräte und Maschinen zu bedienen.

Bierbrauer müssen sorgfältig sein, denn zu ihren Aufgaben gehört es auch, komplexe Geräte und Maschinen zu bedienen.

Das Bild vom Säcke schleppenden Müller stimmt schon lange nicht mehr. Das Mahlen von Getreide, hier die Plange Mühle in Düsseldorf, ist eine hochtechnische Angelegenheit.

Einsatzbereiche von Maskenbildnern sind unter anderem Opern- und Schauspielhäuser

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Bierbrauer müssen sorgfältig sein, denn zu ihren Aufgaben gehört es auch, komplexe Geräte und Maschinen zu bedienen.

 Als Kevin Steins seinen Freunden vor zwei Jahren erzählt hat, dass er eine Ausbildung zum Müller machen möchte, reagierten einige von ihnen mit Unverständnis. Sie konnten sich nur schwer vorstellen, was man in der Lehre lernen würde. Steins musste ihnen erst einmal erklären, dass der Beruf des Müllers heutzutage nicht mehr Säcke schleppen und auf den richtigen Wind warten beinhaltet. Vielmehr lautet die Berufsbezeichnung nun Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft, und die Aufgaben sind größtenteils technischer Natur.

Der 17-Jährige ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr. In seinem Ausbildungsbetrieb, den Fortin Mühlenwerken im Düsseldorfer Hafen, darf er schon einige Maschinen selbst bedienen und überwachen. Am meisten Spaß macht ihm die Qualitätskontrolle, wobei er prüft, wie gut die gemahlenen Haferflocken sind. Zu dem Beruf ist Steins durch einen Bekannten gekommen. „Ich habe zunächst Praktika in Mühlen gemacht und dadurch festgestellt, dass mir die Arbeit wirklich Spaß macht“, so der angehende Müller.

Dass er momentan der einzige Lehrling bei Fortin ist, liegt daran, dass der Ausbildungsberuf so unbekannt ist. „Sogar das Arbeitsamt in Düsseldorf hat lange nicht gewusst, dass es den Beruf überhaupt noch gibt und wir hier im Hafen ausbilden“, sagt Michael Magiera, Produktionsleiter und Müllermeister bei Fortin. Auch für dieses Jahr hat der Betrieb bisher noch keinen Azubi gefunden. Da der Unterricht in der Berufsschule aber erst im Dezember beginnt, würde das Unternehmen Interessenten auch jetzt noch einstellen.

Kein Nachwuchsmangel bei Bierbrauern
Die Brauerei Schumacher an der Oststraße kann sich hingegen nicht über Nachwuchsmangel beschweren. Zurzeit erlernen dort fünf Auszubildende den Beruf des Brauers. Matthias Tröder ist schon seit fünf Jahren mit der Lehre fertig und hat den Ausbilder-Schein gemacht. Wie er damals an diesen doch ungewöhnlichen Beruf gekommen ist, weiß der 26-Jährige immer noch gut. „Ich war auf der Suche nach einer Ausbildung und habe ein wenig recherchiert. Und der Buchstabe B kommt nun mal ziemlich weit vorne im Alphabet“, sagt Tröder und lacht.

Sebastian Andree, der im zweiten Lehrjahr in der Brauerei ist, wollte Brauer werden, weil ihm ein Bürojob zu langweilig gewesen wäre. „Ich wäre auch gerne Bäcker geworden, aber da hätte ich nachher um zwei Uhr mit der Arbeit anfangen müssen. Jetzt muss ich frühestens um sechs ran“, sagt Andree. An der Ausbildung gefällt ihm besonders, dass er handwerklich arbeiten kann. Vom ersten Tag an durfte Andree mitanpacken. Zunächst wurde er in der Abfüllung eingesetzt. „Da bekommt man das grundlegende technische Verständnis, das man für den Beruf benötigt“, sagt der Brauer-Lehrling. Danach hat der Azubi die weiteren Stationen in der Brauerei kennengelernt. Auch wenn im Brauhaus viele Arbeitsschritte durch Technik unterstützt ablaufen, erfordert der Beruf körperliche Fitness. „Brauer kann ein echter Knochenjob sein. Vielleicht gibt es deshalb auch so wenige Brauerinnen“, vermutet Ausbilder Tröder.

Fluggerätmechaniker haben Kerosin im Blut
Ivo Huekstra und Dirk Hagedorn haben ebenfalls nur männliche Kollegen. Die beiden machen ihre Ausbildung zum Fluggerätmechaniker bei Airberlin. Dass sie sich einen echten Knochenjob ausgesucht haben, wussten sie schon vor Ausbildungsbeginn. „Ein normaler Beruf wäre mir aber zu langweilig gewesen“, sagt Hagedorn. Für Huekstra kam nur eine Ausbildung im Bereich Luftfahrt in Frage. „Ich bin in der Nähe von Maastricht groß geworden und habe dort immer die Flugzeuge gesehen. Außerdem wollte ich einen technischen Beruf erlernen, da war Fluggerätmechaniker die perfekte Lösung für mich“, sagt der 21-jährige Azubi.

In der Lehrwerkstatt in Heerdt lernen die Auszubildenden unter anderem, wie man richtig an Flugzeugteilen sägt, feilt und schraubt. Ab dem zweiten Lehrjahr dürfen sie dann auch mit den anderen Fluggerätmechanikern vor Ort im Flughafen arbeiten. Vor allem die Nachtschichten sind anstrengend, aber auch interessant. „Nachts stehen die Flieger zwischen drei und vier Stunden. In dieser Zeit untersuchen wir Mechaniker die Maschinen nach Defekten und tauschen Verschleißteile aus“, sagt Huekstra.

Anfangs durften die Azubis ihre Kollegen nur beim Kontrollgang durch die Flugzeuge begleiten. Mittlerweile dürfen die Azubis eine Art „Vorab-Check“ machen, indem sie sich vor dem fertig ausgelernten Mechaniker die Maschine ansehen und ihm anschließend ihre Funde aufzählen. „Ich bin dabei meistens zu übervorsichtig und will Sachen austauschen, die noch ein paar Meilen vertragen können“, sagt der 27-jährige Dirk Hagedorn. Dass sie in ihrem Job viel Verantwortung haben, wissen die beiden Azubis ganz genau. „Deshalb ist es auch wichtig, jeden seiner Arbeitsschritte nochmals von einem Kollegen kontrollieren und korrekt abnehmen zu lassen“, meint Huekstra.

Perücken und Masken designen für die Opern-Bühne
Auch Luisa Büntgen trägt in ihrem Beruf viel Verantwortung, obwohl von ihr keine Menschenleben abhängen. Die 24-Jährige macht ihre Ausbildung zur Maskenbildnerin an der Deutschen Oper am Rhein. Sie sorgt dafür, dass die Opernsänger mit perfekt sitzenden Perücken und tadellos geschminkt auftreten können. Ihren Traumberuf hat Büntgen relativ früh gefunden. „In meiner Schule haben wir viel Theater gespielt, und ich habe schon damals die anderen Schauspieler hobbymäßig geschminkt“, sagt sie. Nach dem Schulabschluss hat Büntgen eine verkürzte Friseur-Ausbildung gemacht, um Maskenbildnerin zu werden. „Am liebsten beschäftige ich mich mit dem Formbau, also mit der Gestaltung von Kopfputzen und Gesichtsteilen“, sagt die Auszubildende im dritten Lehrjahr. Wie es nach der Lehre weitergehen soll, weiß Büntgen noch nicht. Sie könnte sich aber durchaus vorstellen, auch einmal im Bereich Film zu arbeiten.

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