Nie war es einfacher, einen Ausbildungsplatz zu finden. Dennoch ist für viele Schulabgänger ein Studium die erste Wahl. Doch nicht für jeden ist ein Studium der richtige Weg.

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Gianluca Böhner hat nach einem BWL-Studium eine Lehre zum Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima bei der Firma von Rolf Schmidt, R. Schmidt & L. Giesen oHG in Dormagen, angefangen. Bei einem Beratungsgespräch bei der Handwerkskammer wurde bei Böhner das Interesse für das SHK-Handwerk geweckt.

Gianluca Böhner hat nach einem BWL-Studium eine Lehre zum Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima bei der Firma von Rolf Schmidt, R. Schmidt & L. Giesen oHG in Dormagen, angefangen. Bei einem Beratungsgespräch bei der Handwerkskammer wurde bei Böhner das Interesse für das SHK-Handwerk geweckt.

Gianluca Böhner hat nach einem BWL-Studium eine Lehre zum Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima bei der Firma von Rolf Schmidt, R. Schmidt & L. Giesen oHG in Dormagen, angefangen. Bei einem Beratungsgespräch bei der Handwerkskammer wurde bei Böhner das Interesse für das SHK-Handwerk geweckt.

Mehr als 500 000 Studenten beginnen jährlich ein Studium, Tendenz weiter steigend. Knapp 30 Prozent der Bachelor-Studenten verlassen ohne Abschluss die Universität. Die wichtigsten Gründe für den Studienausstieg sind laut einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) unter anderem Leistungsprobleme, finanzielle Engpässe, mangelnde Motivation und fehlender Praxisbezug.

Pia Oerding ist nach sieben Semestern aus dem Bauingenieur-Studium ausgestiegen und hat den Studienfrust gegen eine Ausbildung zur Zimmerin bei Zimmermeister Maik Lauda in Dormagen getauscht. „Da ich bereits während des Studiums bei einer Zimmerei in der Eifel ein Vorpraktikum gemacht hatte und mein Vater zu Hause viel als Hobbyhandwerker renoviert hatte, wollte ich etwas mit Holz machen“, sagt die 23-Jährige im ersten Lehrjahr. Über die Imagekampagne des Handwerks und Beratungsgespräche bei der Handwerkskammer fiel die Wahl auf eine Lehre in einer Tischlerei oder Zimmerei. „Hätte es schon auf dem Gymnasium eine Information zu den Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk gegeben, dann hätte ich die Ausbildung vorgezogen“, sagt sie im Rückblick. Ihr Chef Maik Lauda hat bereits gute Erfahrungen mit Abiturienten und einem Studienabbrecher gemacht. „Die gehen sensibler mit der Materie um, gute Noten helfen auch bei der Bauphysik, die in unserem Handwerk wichtig ist“, sagt er.

Gianluca Böhner hat nach einem BWL-Studium eine Lehre zum Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima (SHK) bei der R. Schmidt & L. Giesen oHG in Dormagen angefangen. „Nach dem Abitur am Neusser Wirtschaftsgymnasium war klar, dass es ein BWL-Studium sein musste. Aber nach zwei Semestern habe ich gemerkt, dass es einfach nicht das Richtige war“, sagt der 21-Jährige. Hobbymäßig werkelt er gerne mit Holz, aber im Beratungsgespräch bei der Handwerkskammer wurde sein Interesse für das SHK-Handwerk geweckt. Anfangs hatte er schon Vorbehalte gegen eine Lehre im Handwerk wegen des „rauen Umgangstons“, aber heute, mittlerweile im dritten Lehrjahr, ist er „super zufrieden“. Senior-Geschäftsführer Rolf Schmidt stellt schon seit Jahren rückläufige Bewerberzahlen in seinem Handwerk fest und war hocherfreut über die Vermittlung durch die Handwerkskammer. Nach zwei Wochen Praktikum zeigte sich, dass man zusammenpasst. „In unserem Handwerk werden die Anforderungen immer anspruchsvoller, das ist auch eine herausfordernde Aufgabe für Abiturienten“, sagt Schmidt.

Passgenaue Besetzung für Ausbildungssuchende
Pia und Gianluca sind nur zwei von tausenden jungen Menschen, die jährlich feststellen, dass ein Studium nicht das Richtige für sie war. Nadine Rosenau, Beraterin bei der Handwerkskammer Düsseldorf, entwickelt mit Schulabgängern und Studienabbrechern Alternativen zum Studium. Von den 200 Beratungen, die sie innerhalb eines Jahres durchgeführt hat, waren zehn Prozent mit Studienabbrechern. „Leider melden sich viel zu wenige Studienzweifler und beginnen lieber ein Zweit- oder Drittstudium“, berichtet sie. Zum Leidwesen der Schüler nehmen einige Gymnasien das Angebot zu Informationsgesprächen über die Chancen im Handwerk mit der Möglichkeit zu einem dualen oder trialen Studium erst gar nicht an. „Dabei stellen wir fest, dass seit der Studienreform mit dem verschulten Studium die Abbruchquote stetig steigt.“

Mit dem Programm „Passgenaue Besetzung“ sollen Schulabgänger und Ausbildungssuchende bei ihrer Berufswahl noch gezielter und Betriebe bei der Suche nach geeigneten Bewerbern unterstützt werden. Das Handwerk bietet in über 130 Berufen attraktive Ausbildungsplätze: Man muss nur den richtigen Beruf finden, der den persönlichen Neigungen entspricht. Studienaussteiger haben sogar die Möglichkeit, die Ausbildung um bis zu ein Jahr zu verkürzen. Wenn sie im Anschluss den Meisterbrief machen, haben sie zudem einen Abschluss in der Tasche, der dem Bachelor gleichgestellt ist. „Ein Studium durchzuziehen, hinter dem man nicht steht, ist nicht sinnvoll. Auch wenn Eltern womöglich anders denken und meinen, dass man mit einem Studium mehr verdient. Im Handwerk gibt es so viele gute Chancen, erfolgreich zu sein“, betont Nadine Rosenau. 

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