Der Bund hortet zwar kein Streusalz, dafür aber tonnenweise Lebensmittel. Kosten: 15 Millionen Euro.

Bonn. Noch lagert die Bundesrepublik kein Streusalz ein - obwohl ein Bundestagsabgeordneter genau das gerade fordert. Dafür kann Deutschland aber eine ganze Menge anderer Lagerwaren bieten. "Nationale Reserve" heißt das, womit der Staat die Bürger vor Engpässen bei Umweltkatastrophen und im Kriegsfall schützen will: So sitzt der Bund auf 24 000 Tonnen Erbsen, bei 82 Millionen Bürgern sind das 290 Gramm pro Nase. Das allein kosten im Jahr etwa 500 000 Euro - nur an Lagerkosten.

Rund 15 Millionen Euro standen im vergangenen Jahr für die Notreserven im Bundeshaushalt. Denn außer den bekannten Erdölreserven für 90 Tage werden auf Wunsch der Regierung und auf Kosten der Steuerzahler noch viele weitere Dinge gehortet: 125 000 Tonnen Hafer, 340 000 Tonnen Weizen, 69 000 Tonnen Reis und 23 000 Tonnen Linsen. Die stapeln sich in riesigen, vom Bund angemieteten Lagerhallen.

Wo die sich befinden, ist streng geheim. "Das ist VS - Verschlusssache", sagt Dieter Schneider vom Bundesministerium für Verbraucherschutz. Alle sechs Wochen prüft das Ministerium die Haltbarkeit. Was nicht mehr zum Verzehr geeignet ist, wird ausgetauscht.

Rechtsgrundlage für die "Erbsenreserve" ist das "Ernährungssicherstellungsgesetz". Das stammt aus dem Jahr 1965, ist ein Relikt des Kalten Krieges und wurde seitdem einige Male verändert.

Zudem lagert der Bund 500 Tonnen Vollmilchpulver und 6000 Tonnen Kondensmilch. In den Vorschriften gibt es auch die Empfehlung, dass jeder Privathaushalt zehn Liter Trinkwasser und fünf Kilogramm Mehl für Notfälle vorhalten soll. Das Ministerium hat auf seiner Homepage weitere praktische Tipps: "Denken Sie bei Ihrer Vorratshaltung an die geschmacklichen Vorlieben Ihrer Familienmitglieder. Dann sind Sie für alle Eventualitäten bestens gerüstet."

Nur 1986 wurden die für zwei Wochen reichenden Reserven angetastet: Nach der Tschernobyl-Katastrophe wurden 1000 Tonnen Milchpulver ausgegeben.

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