Inflation und Abschläge: Wirtschaftsforscher sagen für das Jahr 2012 „schmerzliche Kaufkraftverluste“ voraus.

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Die Geldentwertung trifft Rentner besonders hart.

Die Geldentwertung trifft Rentner besonders hart.

dpa

Die Geldentwertung trifft Rentner besonders hart.

Berlin. Trotz erwarteter Rentenerhöhung bleibt den gut 20 Millionen Rentnern in Deutschland wegen der Inflation voraussichtlich weniger Geld übrig. Zugleich sind die Abschläge wegen vorzeitiger Rente tendenziell etwas gestiegen. So gingen zuletzt knapp jede zweite Frau und 41 Prozent der Männer früher in Rente.

Bei Männern Abschlag von 127 Euro im Monat

Weil der Rentenbeginn im Schnitt nach einer statistischen Wellenbewegung auch wieder etwas weiter vorgezogen wurde, stiegen auch die Abschläge. Bei Männern betrugen sie 2009 im Schnitt rund 127 Euro im Monat, bei den Frauen 105 Euro. Das geht aus einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund hervor. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt die Inflation in diesem und im kommenden Jahr höher als die Rentenerhöhung. Deshalb gebe es 2011 leichte und 2012 schmerzliche Kaufkraftverluste, „so dass von den Renten kein Impuls für den Konsum ausgehen wird“, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner der „Frankfurter Rundschau“.

Nach einer Nullrunde 2010 könnten die Rentner mit einer Anhebung ihrer Bezüge im Juli 2011 um rund 1 Prozent rechnen, erklärt das DIW weiter. 2012 kommen demnach noch einmal 0,4 Prozent dazu. Die Inflation werde 2011 aber bei etwa 1,6 Prozent liegen, im Jahr darauf bei 1,7 Prozent.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zum neuen Jahr gesagt, die Zeichen für eine Rentenerhöhung stünden gut. Gesicherte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Einkommensentwicklung lägen aber erst im Frühjahr vor. Zwischen 2004 und 2006 mussten die Rentner drei Nullrunden in Folge hinnehmen. Dafür gab es 2009 ein außerplanmäßiges Rentenplus von 2,4 Prozent im Westen und 3,4 Prozent im Osten.

Viele Frauen gehen gemeinsam mit ihren Ehemännern in Rente

Immer mehr Frauen gingen in den vergangenen Jahren frühzeitig in Rente. Ihr Anteil lag 2000 bei 16 Prozent, 2005 bei 36 und 2008 bei 48 Prozent. Bei den Männern waren es 2000 rund 13, fünf Jahre darauf rund 47 und 2008 rund 45 Prozent.

Über Gründe vorzeitiger Rente sagt die Statistik nichts aus. Experten gehen aber davon aus, dass vor allem viele Frauen den Schritt freiwillig gehen, um mit ihren oft älteren Männern gemeinsam in Rente gehen zu können. „Wenn es zwei Renten gibt, sind die Abschläge auch leichter zu ertragen“, heißt es in der Branche. Viele gehen auch in Altersteilzeit, arbeiten das Pensum aber im Block ab und scheiden dann faktisch ein Jahr früher aus dem Arbeitsleben aus.

Arbeitslose gehen demnach aber auch früher in Rente, weil die Zahlungen der Rentenkasse in der Regel höher sind als Arbeitslosengeld II.

Unterdessen kündigte die Bundesregierung eine neue Regierungskommission mit dem Namen „Vermeidung von Altersarmut“ an. Sie soll im April ihre Arbeit aufnehmen. Dabei soll es unter anderem darum gehen, ob Geringverdiener, die über 35 Jahre Beiträge gezahlt haben, mehr Rente erhalten als Menschen, die von Sozialhilfe oder Hartz IV gelebt haben.

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