Mannheimer Politik-Wissenschaftlerschließt bei Umfrage „politisch korrekte“ Antworten aus.

Thilo Sarrazin ist umstritten - doch das Potenzial für eine Partei unter seiner Führung ist offenbar größer als bisher angenommen.
Thilo Sarrazin ist umstritten - doch das Potenzial für eine Partei unter seiner Führung ist offenbar größer als bisher angenommen.

Thilo Sarrazin ist umstritten - doch das Potenzial für eine Partei unter seiner Führung ist offenbar größer als bisher angenommen.

dpa

Thilo Sarrazin ist umstritten - doch das Potenzial für eine Partei unter seiner Führung ist offenbar größer als bisher angenommen.

Düsseldorf. Das Potenzial für eine mögliche rechtspopulistische Partei unter Führung von Thilo Sarrazin ist in Deutschland offenbar größer als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Thorsten Faas, Politikwissenschaftler der Universität Mannheim und Projektleiter am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES).

Mit dem Kölner Umfrage-Institut YouGovPsychonomics hat Faas eine repräsentative Befragung durchgeführt. Ergebnis: Für 26 Prozent aller Befragten - und somit für mehr als jeden Vierten - wäre eine sogenannte "Sarrazin-Partei" grundsätzlich wählbar. Bislang waren Erhebungen auf ein Potenzial von etwa 18 bis 20 Prozent gekommen.

Wie kommen die unterschiedlichen Umfrage-Ergebnisse zustande?

Mit den gängigen Instrumenten der Demoskopie sei Sarrazins Wählerpotenzial kaum verlässlich messbar, sagt Faas: "Die Frage, ob man Sarrazin wählen würde, ist ähnlich sensibel wie die, ob Barack Obamas Hautfarbe Einfluss hatte auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl." Bei emotional aufgeladenen und vorbelasteten Themen, beispielsweise auch bei der Frage der Wählbarkeit einer rechtskonservativen Partei, sei die Gefahr groß, dass sich in den Antworten von Befragten Vorurteile und Ressentiments, aber auch politische Korrektheit widerspiegeln.

Um dies zu vermeiden und etwa sozial als erwünscht geltende Antworten auszuschließen, griff Faas auf eine neue Befragungsmethode zurück: Er zeigte 500 repräsentativ ausgewählten Personen eine Liste mit bekannten Politikern von Merkel über Westerwelle, Gabriel und Künast bis Lafontaine - inklusive Sarrazin. 500 andere, ebenfalls repräsentativ ausgewählte Menschen, erhielten dieselbe Liste - ohne Sarrazin.

Gefragt wurde aber nicht, wem die Menschen ihre Stimme geben würden, sondern nur, welche Anzahl an Parteien auf der Liste als grundsätzlich wählbar angesehen wird. Das Ergebnis: Die Befragten, die Sarrazin auf der Liste hatten, gaben im Schnitt 1,83 Parteien an, die für sie wählbar sind. Die Gruppe der Befragten ohne Sarrazin fand im Schnitt nur 1,57 Parteien wählbar.

Experte: "Das Potenzial für eine Sarrazin-Partei liegt bei 26 Prozent"

Prof. Dr. Thorsten Faas (Foto: privat ) ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Wählerverhalten, an der Universität Mannheim. Als Projektleiter am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) ist er an verschiedenen Wahlstudien beteiligt, so etwa an der umfassendsten deutschen Bundestagswahlstudie "German Longitudinal Election Study".

Die Erhebungsmethode - ein so genanntes "List Experiment" - hat der Politikwissenschaftler für das Internet-Blog "Politik nach Zahlen" ausführlich erläutert. Dort erklärt er auch, aus welchen politischen Lagern sich das Potenzial für eine mögliche neue Partei speist. Zum Blog gelangt man über Faas’ Homepage

Faas: "Dies ist ein signifikanter Unterschied von 0,26. Und die einzig mögliche Erklärung dafür ist, dass 26 Prozent der ersten Gruppe sich vorstellen können, eine Sarrazin-Partei zu wählen. Das Potenzial von Sarrazin liegt nach diesen Zahlen also bei 26 Prozent."

Allerdings: Eine Sarrazin-Partei gibt es derzeit nicht, und ob es sie jemals geben wird, weiß auch Thorsten Faas nicht: "Diese Frage kann auch die beste Methode nicht beantworten."

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