Im Jahr 2075 könnten bis zu sieben Milliarden Menschen unter chronischem Wassermangel leiden.

Istanbul. Mit warnenden Worten haben Experten auf dem 5. Weltwasserforum in Istanbul die Gefahr einer dramatischen Wasserkrise in vielen Teilen der Welt beschworen.

Eine Antwort, wie Milliarden Menschen vor Dürre und möglicher Unterversorgung bewahrt werden sollen, sei das Forum mit seinen mehr als 20.000 Teilnehmern aber nach einer Woche schuldig geblieben, kritisieren Umweltschützer.

Udo Gattenlöhner, der Geschäftsführer der Umweltorganisation Global Nature Fund, war ratlos, als einer der Teilnehmer seine widersprüchliche Lösung der Krise vorstellte. Dieser habe in einer Diskussionsrunde vorgeschlagen, zum Klimaschutz im brasilianischen Pantanal die Anbauflächen für Zuckerrohr deutlich auszuweiten, um damit Biosprit herzustellen.

Nur gehört das unter Naturschutz stehende Feuchtbiotop, das etwa so groß ist wie die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung, zum Unesco-Welterbe.

"Wasser ist Geld", ist Gattenlöhners Bilanz. "Natürlich aber bezeichnen hier alle ihre Projekte als nachhaltig." Viele Umweltschützer kritisieren auch den Einfluss der Industrie auf das Treffen, das von dem privat organisisierten Weltwasserrat getragen wird.

Auf dem Esstisch erscheint ein Kilo Fleisch als handliches Stück. Doch für die Produktion wurden zwischen 6.000 und 20.000 Liter Süßwasser verbraucht. Mit diesem einfachen Hinweis zeigten Wasserexperten in Istanbul, was passiert, wenn die Zahl der Menschen und ihr Lebensstandard steigen, während sich die Trockengebiete ausdehnen. Es drohen "Wasserstress", Flucht aus Krisengebieten und Kriege um Ressourcen.

Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft und Lebensstil sind zentrale Faktoren beim Wasserverbrauch. Heute leben 6,8 Milliarden Menschen auf der Welt. Bis 2012 sollen es 7 Milliarden sein, bis 2050 9 Milliarden.

"Der Klimawandel wird zuerst über das Wasser zu spüren zu sein, durch Dürre, Fluten, Stürme, schmelzendes Eis oder steigende Pegel der Meere", hießt es bei der Naturschutzunion IUCN. Der Druck auf die verbleibenden Ressourcen nehme zu.

Schon jetzt haben mehr als eine Milliarde Menschen kein sauberes Trinkwasser, hatten die Organisatoren zum Auftakt des Treffens erklärt. Im Jahr 2075 könnten drei bis sieben Milliarden Menschen in Gebieten mit chronischem Wassermangel leben.

Die Versorgung ist in Gefahr, wie die Unesco warnt. Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft, Lebensstil und Verhaltensmuster seien die wichtigsten Faktoren beim Wasserverbrauch.

Die auch von mehreren Regierungen geforderte Einigung auf ein Menschenrecht auf Wasser kam schon wie vor drei Jahren in Mexiko-Stadt nicht zustande. Vertreter mehrerer lateinamerikanischer Staaten unterzeichneten deswegen ein eigenes Papier, in dem ein Grundrecht auf Wasser anerkannt wird. Damit drücken sie ihre Unzufriedenheit mit dem Ergebnis des Forums aus.

"Die Abschlussdeklaration des Weltwasserforums ist größtenteils eine Ansammlung von unverbindlichen Plattitüden und nicht der notwendige Aktionsplan", kritisierte Martin Geiger, Wasserexperte bei der Umweltstiftung WWF Deutschland.

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