Durch den Umzug hat sich die Republik nicht verändert, meint unsere Autorin. Aber die Wahrnehmung.

Düsseldorf. Angelina Jolie und Brad Pitt wollten ein Haus in Berlin kaufen, was nur daran gescheitert ist, dass sie ein Schloss in Frankreich gefunden haben. Wo die beiden wohnen, ist zwar im Prinzip egal, aber in Bonn hätten sie sicher nicht gesucht. Und das sagt etwas darüber aus, wie die Welt die deutsche Hauptstadt wahrnimmt. Als Stadt von Welt.

Ohne die Regierung hätte Berlin sich in Ermangelung von Geld und Aufmerksamkeit so nicht entwickeln können. Und umgekehrt würde die Regierung ohne Berlin ein anderes Bild abgeben.

Ein provinzielleres Bild, ein Bild im Bonner Format. Nach Berlin aber strömen jedes Jahr mehr Touristen, und der Reichstag ist die beliebteste Attraktion. Das gesamte Regierungsviertel strahlt Bedeutung aus, charmant gebrochen durch einen Hauch Morbidität.

Die Touristen transportieren ein positives Bild aus eigener Anschauung bis in entlegene Weltwinkel. Das sollte man nicht gering schätzen, wenn man sich die Befürchtungen in Erinnerung ruft, die mit dem Wechsel von der "Bonner" zur "Berliner Republik" einhergingen. Aber die Befürchtungen sind nicht eingetreten. Auch die "Berliner Republik" ist nicht eingetreten. Der Begriff existiert hauptsächlich im intellektuellen Sprachgebrauch.

Womöglich ist das eine kühne These, aber vielleicht hat Berlin der Republik sogar dabei geholfen, nach den beispiellosen Verbrechen während des Nationalsozialismus auf natürliche Weise ihren Platz in der Weltgemeinschaft selbstbewusst auszufüllen. Die Demokratie, die in Bonn aufgebaut wurde, wird in Berlin mehr beachtet.

Die Fußballweltmeisterschaft war im Grunde eine Bewährungsprobe. Nie zuvor hat sich die Bundesrepublik in diesem Ausmaß mit Nationalflaggen geschmückt. Und in Berlin war die Flaggendichte wahrhaftig enorm. Türkische, italienische, britische, brasilianische, amerikanische...und deutsche Flaggen. Die Welt sah in Berlin, wo besonders kamerawirksam gefeiert wurde, eine sympathische international verankerte Hauptstadt.

Ziemlich sicher hat Berlin die Wahrnehmung von deutscher Politik verändert. Aber auch die Politiker? Die Branche ist wohl schneller und oberflächlicher geworden, was nicht nur mit der Stadt zusammenhängt, sondern auch mit dem Internet. Die mediale Überwachung formt zum Teil glattere Politiker.

Der Umzug, das beweisen die mitgezogenen Politiker Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder Angela Merkel, hat keine großen Veränderungen ausgelöst. Nur die Zeiten haben sich geändert, und in diese Zeiten auf festem demokratischen Grund passt das leichtere freiere Berlin besser als Bonn. Dank Bonn.

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