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Cem Özdemir (Mitte) bei seine Besuch auf dem Altenmarkt. Links: Dr. Hermann Ott, Grünen-Bundestagskandidat im Wahlkreis 103 Wuppertal I; rechts: Grünen-Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger.

Cem Özdemir (Mitte) bei seine Besuch auf dem Altenmarkt. Links: Dr. Hermann Ott, Grünen-Bundestagskandidat im Wahlkreis 103 Wuppertal I; rechts: Grünen-Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger.

Uwe Schinkel

Cem Özdemir (Mitte) bei seine Besuch auf dem Altenmarkt. Links: Dr. Hermann Ott, Grünen-Bundestagskandidat im Wahlkreis 103 Wuppertal I; rechts: Grünen-Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger.

Wuppertal. Naturtrüber Apfelsaft wird gleich massenweise an die Besucher verteilt, uniformierte Getränke-Ware wie Cola und Fanta ist dagegen nicht zu kriegen. Beim Wahlkampf-Auftritt von Grünen-Chef Cem Özdemir auf dem Alter Markt im Wuppertaler Stadtteil Barmen darf ein wenig grüne Folklore nicht fehlen.

Aus einer künstlichen Eisberg-Landschaft ragt zudem ein riesiger Stoff-Eisbär hervor - Symbol für grünes Engagement gegen die Erderwärmung. Später wird sich Özdemir zur Freude einiger Hobby-Fotografen neben das Polartier stellen und verkünden: "Wer die Eisbären leben lassen will, muss uns wählen."

Doch bevor der Bundesvorsitzende diesen finalen Slogan ausruft, muss er noch seine Pflicht tun - und den etwa 150 Menschen, die zu seiner Rede gekommen sind, erklären, warum sie bei der Bundestagswahl am 27. September ihr Häkchen bei den Grünen machen sollen. In einem etwa halbstündigen Rundumschlag rattert er die grünen Themen herunter: Klimaschutz, Rentengerechtigkeit und Bildung.

Er fordert: "Wir brauchen mehr Elektrofahrzeuge made in Germany." Und empfiehlt zur Ankurbelung des Öko-Automarkts die Einführung einer 5000-Euro-Prämie für jeden Bürger, der sich einen elektronisch betriebenen Wagen kauft. Er plädiert außerdem für eine Garantierente, die über Sozialhilfe-Niveau liegt - "damit alte Menschen rentenwürdig leben können".

Er wettert gegen die Finanzpolitik von CDU und FDP: "Die versprechen Steuersenkungen nach der Wahl, machen sich aber keine Gedanken darüber, wie die finanzierbar sind." Die Grünen wollen lieber in soziale Gerechtigkeit, Bildung und Klimaschutz investieren. Auf eine präzise Erklärung, woher der Staat das Geld für dieses Vorhaben nehmen soll, verzichtet Özdemir allerdings.

Darüber hinaus verlangt er, dass die Kompetenzen des Bundes in der Bildungspolitik erweitert werden: Der Bund soll die Bildungsinitiativen der Länder künftig mehr als bisher finanziell bezuschussen - speziell den Ausbau von frühkindlichen Betreuungsangeboten und von Ganztagsschulen. Das dreigliedrige Schulsystem gehört abgeschafft: "Wir Grünen trennen gerne den Müll, aber wir trennen nicht die Kinder."

Außenpolitik kommt nur am Rande vor. Dann nämlich, als sich Özdemir, adrett gekleidet wie immer, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) vorknöpft. Der habe mit seiner mehrfach vorgetragenen Rumänen-Schelte die deutsch-rumänischen Beziehungen belastet. "Als exportabhängige Nation schaden uns solche Kommentare."

Bissig wird’s, wenn Özdemir auf ein Herzstück des grünen Programms zu sprechen kommt: die Anti-Atompolitik. Kein Wunder: Der jüngste Skandal spielt der Umweltpartei in die Hände, nämlich das umstrittene Gutachten zum Endlager in Gorleben, das die schwarz-gelbe Regierung 1983 frisiert haben soll. Özdemir stellt seinen Zuhörern die rhetorische Frage: "Glauben Sie, dass solche Parteien in der Lage sind, Atomkraftwerke sicher zu betreiben?"

Nach der Rede kommt dann der Stoff-Eisbär zu seinem Recht. Özdemir, der Tierliebhaber, legt ihm seinen Arm um die Schulter. Grüner Streichelzoo in Wuppertal-Barmen.

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