Als am 8. Mai 1945 die Waffen an allen Fronten schwiegen, hatte die „Stunde Null“ bereits begonnen.

Trümmerfrauen bilden 1945 eine Kette, um Schutt aus einem zerstörten Haus an der Berliner Straße in der ehemaligen Reichshauptstadt zu beseitigen.  Archiv
Trümmerfrauen bilden 1945 eine Kette, um Schutt aus einem zerstörten Haus an der Berliner Straße in der ehemaligen Reichshauptstadt zu beseitigen. Archiv

Trümmerfrauen bilden 1945 eine Kette, um Schutt aus einem zerstörten Haus an der Berliner Straße in der ehemaligen Reichshauptstadt zu beseitigen. Archiv

dpa

Trümmerfrauen bilden 1945 eine Kette, um Schutt aus einem zerstörten Haus an der Berliner Straße in der ehemaligen Reichshauptstadt zu beseitigen. Archiv

Wuppertal/Düsseldorf. In etlichen NRW-Städten war der Krieg schon seit Wochen vorbei, als die Wehrmacht ab dem 7. Mai 1945 vor alliierten Streitkräften und dem sowjetischen Oberkommando kapitulierte. Bereits Mitte April rollten amerikanische Panzer durch die Trümmerfelder, die einst Wuppertal und Düsseldorf gewesen waren.

Was diese erst viel später „Stunde Null“ genannte Zeit tatsächlich bedeutete, was wirklich endete und was begann – das war im Frühjahr vor 70 Jahren keineswegs ausgemacht. Es dauerte 40 Jahre, bis Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag einigermaßen unwidersprochen feststellen konnte: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

1945 stand nicht fest, was aus den Besiegten werden würde

Es werde aber niemand um dieser Befreiung willen vergessen, so Richard von Weizsäcker weiter, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten.

Im Frühjahr 1945 stand weder für die Deutschen noch für die Sieger fest, was aus den Besiegten und ihrem Land werden würde – und ob es gelingen würde, den Verlierern eine demokratische Staatsform nicht bloß zu verordnen, sondern sie tatsächlich für ein freiheitliches und friedliches Leben zu gewinnen. In den Westzonen antworteten noch 1948 57 Prozent der Deutschen auf die Frage „Halten Sie den Nationalsozialismus für eine gute Idee, die schlecht ausgeführt wurde?“ mit „Ja“.

Viele Deutsche sahen ihr Leid nicht als Folge der Nazi-Taten

Die Mehrheit der Deutschen fühlte sich im Frühjahr 1945 nicht befreit, sondern als Opfer. Millionen aus ihrer Heimat Vertriebene strömten in die zerstörten Städte, weitere Millionen vegetierten in Kriegsgefangenschaft einer ungewissen Zukunft oder dem Tod entgegen, das ständige Hungern und Frieren hatte seinen Höhepunkt noch längst nicht erreicht. Dass dieses Leid die Folge der Nazi-Verbrechen war, verdrängten viele.

Vor 70 Jahren ging mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg zu Ende. Wie haben Sie die Stunde Null erlebt? Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit nach 1945?

Die Redaktion möchte die Stunde Null zu einem Schwerpunkt ihrer Berichterstattung in diesem Jahr machen. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe, die Hilfe unserer Leserinnen und Leser. Schicken Sie uns Ihre Fotos und Geschichten aus den schwierigen Jahren des Wiederaufbaus. Wer damals noch nicht gelebt hat, kennt vielleicht die Erzählungen der Eltern, Großeltern oder von Freunden und Bekannten. Bitte vergessen Sie Adresse und Telefonnummer nicht. Selbstverständlich erhalten Sie Ihre Fotos zurück.

So erreichen Sie uns: Westdeutsche Zeitung, Stichwort: Stunde Null, Postfach 101132, 4002 Düsseldorf, Mail: zentralredaktion@wz.de

Solinger Tageblatt, Stichwort: Stunde Null, Mummstraße 9, 42651 Solingen, Mail: b.boll@solinger-tageblatt.de

Remscheider General-Anzeiger, Stichwort: Stunde Null, Alleestraße 78-81, 42853 Remscheid, Mail: redaktion@rga-online.de

Für die meisten Deutschen war die „Stunde Null“ vor allem eine Zeit der Erleichterung: endlich Frieden. Und es begann eine neue „Stein-Zeit“ – die der Trümmerfrauen und des Wiederaufbaus.

» Tagesthemen

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer