Sie standen klar im Schatten der Bundestagswahl. Unverdient. Denn die Auszählungen der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Brandenburg erwiesen sich als spannender als die für das Parlament in Berlin. Gleich mehrmals verschoben sich die Tendenzen, so dass stets neue Koalitionen möglich oder sogar nötig erschienen.

Zumindest ein auffälliger Bundestrend findet sich in beiden Ländern wieder. Die so genannten "großen Volksparteien" CDU und SPD werden dieser Bezeichnung immer weniger gerecht. Vor allem in Schleswig-Holstein verloren die beiden bisherigen Koalitionspartner zusammen rund 20 Prozent.

Das ist auch eine Quittung für die bemerkenswerte Streitkultur, die Ministerpräsident Carstensen und SPD-Chef Stegner fast selbstzerstörerisch entwickelt haben. Der Wähler im Norden hat ihnen deutlich gesagt, dass er davon nichts hält. Die CDU kann sich immerhin noch trösten, dass sie wohl künftig mit der FDP eine harmonischere Regierung bilden dürfte.

Nicht so schlimm erging es den "Volksparteien" in Brandenburg. Allerdings musste die SPD lange Zeit sogar zittern, dass die Linke sie überholt. Und die CDU kann angesichts ihrer Rolle als weiterhin abgeschlagener Dritter nicht jubeln.

Ihr Trost: Die Chancen stehen gut, dass SPD-Landeschef Platzeck sie wieder in die Regierung holt, statt es mit Rot-Rot zu versuchen. Die Erklärung dafür ist für die Union wenig schmeichelhaft: Platzeck hätte es mit einem schwachen Partner leichter als mit einer sehr selbstbewussten Linkspartei. Zudem hat er wohl als ehemaliger Bürgerrechtler Berührungsängste.

Wenn es in Kiel wirklich zu Schwarz-Gelb kommt, profitiert davon auch die künftige Bundesregierung. Dank einer Mehrheit im Bundesrat wird das Regieren noch leichter.

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