Angeblich plant das Regime in Pjöngjang, eine Rakete in Richtung der amerikanischen Hawaii-Inseln abzufeuern.

Schon im Januar provozierte Nordkorea mit dem Start von Raketen.
Schon im Januar provozierte Nordkorea mit dem Start von Raketen.

Schon im Januar provozierte Nordkorea mit dem Start von Raketen.

dpa

Schon im Januar provozierte Nordkorea mit dem Start von Raketen.

Washington. Der verbale Schlagabtausch zwischen Washington und Pjöngjang hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Nun rüsten sich die USA sogar für die Möglichkeit einer militärischen Auseinandersetzung mit Nordkorea.

Als Reaktion auf Berichte, wonach eine nordkoreanische Rakete in Richtung Hawaii abgefeuert werden könnte, ordnete US-Verteidigungsminister Robert Gates die Aktivierung eines mobilen Raketenabwehrsystems auf der Inselgruppe im Südpazifik an.

Militärexperten bezeichnen den geplanten Raketentest als gezielte Provokation, die die Spannungen zwischen den beiden Ländern auf einen neuen Höhepunkt treiben könnte.

Zuvor hatte die japanische Zeitung Yomiuri berichtet, dass am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, eine ballistische Rakete vom Typ Taepodong 2 Kurs auf Hawaii nehmen könnte. Die hochmoderne Taepodong 2 hat eine Reichweite von etwa 6.500 Kilometer und könnte amerikanisches Festland zwar nicht erreichen, wohl aber die acht Hauptinseln des jüngsten der US-Bundesstaaten.

"Genaueres werde ich nicht sagen", erklärte Gates, "außer, dass wir bestens vorbereitet sind, im Notfall amerikanische Staatsbürger ebenso wie amerikanisches Staatsgebiet zu verteidigen." Wie Regierungskreise bestätigen, wurde als Antwort auf die Drohgebärde aus Pjöngjang das radargestützte Abwehrsystem THAAD (Theater High Altitude Area Defense) auf Hawaii stationiert.

Damit können herannahende Raketen im Anflug abgeschossen werden. Außerdem, so der Pentagon-Chef, könnten im Bedarfsfall Langstreckensysteme zum Einsatz kommen, um eine Rakete aus Nordkorea frühzeitig abzufangen und zu zerstören.

Ob sich die USA in einem solchen Fall einen Vergeltgungsschlag vorbehalten würden, wollte Gates nicht sagen. Der jüngsten Eskalation war während der letzten Wochen eine verbissene Kraftprobe zwischen dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il auf der einen und den USA sowie dem Weltsicherheitsrat auf der anderen Seite vorausgegangen.

Nachdem Pjöngjang am 25. Mai weitere Atomwaffentests gestartet hatte, signalisierte US-Präsident Barack Obama, dass er mit der Geduld am Ende sei. Bei einem Auftritt in Frankreich betonte Obama, dass die USA sich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für neue Sanktionen gegen Nordkorea einsetzen würden und außerdem in Erwägung ziehen, das Land wieder auf die Liste jener Nationen zu setzen, die Terrorismus unterstützen.

US-Marine verfolgt verdächtiges nordkoreanisches Schiff

Den nächsten Schachzug unternahm Kim Jong Il. Keine 48Stunden nach Obamas Rede in Frankreich ließ er die zwei US-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee wegen eines angeblich illegalen Grenzübertritts zu zwölf Jahren in einem Arbeitslager verurteilen. Am vergangenen Freitag verabschiedete dann auf Drängen des Weißen Hauses der Weltsicherheitsrat neue Sanktionen gegen Pjöngjang, unter anderem eine deutliche Verschärfung des Wirtschaftsembargos.

Für zusätzliche Irritationen sorgte nun eine Resolution, die es US-Kriegsschiffen erlaubt, auf offener See koreanische Schiffe abzufangen, die des Transports von Atomwaffenteilen oder anderer gefährlicher Güter verdächtigt werden. Die US-Marine verfolgt gerade ein solches, unter nordkoreanischer Flagge fahrendes Schiff und hat damit die Spannungen zwischen den beiden Ländern weiter angeheizt.

Wie die Resolution der Vereinten Nationen vorschreibt, dürfen die USA und deren Verbündeten verdächtige Schiffe durchsuchen oder diese zum nächsten Hafen begleiten. Dort würden dann die Behörden des betreffenden Landes die Durchsuchung des Schiffes vornehmen.

Die Regierung in Pjöngjang erklärte, dass es eine solche Durchsuchung als "Kriegshandlung" ansehen würde. Die Verfolgung des Schiffes sei Teil einer Verleumdungskampagne Washingtons. Wie aus Regierungskreisen in Washington verlautet, soll nun der Druck auf Nordkorea verstärkt werden, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und über die Einstellung des nordkoreanischen Nuklearprogramms zu sprechen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer