Tüten aus Kunststoff sollen mit Abgabe belegt werden. Umweltministerium und Einzelhandelsverband sehen dafür keine Notwendigkeit.

Düsseldorf. Jeder Bundesbürger benutzt im Schnitt 65 Plastiktüten pro Jahr. Zu viel, meint Dorothea Steiner, umweltpolitische Sprecherin der Grünen. Sie will, dass die Plastiktüte teurer und dadurch seltener gekauft wird. Daher wollen die Grünen bei der Novellierung des Abfallgesetzes im Herbst erreichen, dass Tüten aus Kunststoff mit einer gesetzlichen Abgabe belegt werden.

Wie hoch diese ausfallen könnte, ist noch nicht klar. Während aber heute die Plastiktüte zumeist die billigste Tragehilfe an der Kasse ist, soll sie nach der Reform teurer sein als ihre umweltfreundlicheren "Konkurrenten" aus Stoff oder Papier. "Die Flut von Plastiktüten ist ein zentrales Problem", sagte Steiner gegenüber unserer Zeitung.

Plastiktüten sind für Vögel und Lebewesen im Meer gefährlich

Viele Tüten landeten nicht im Müll, sondern in der Natur. Dort dauert es Jahrhunderte, bis sie sich zersetzen. In den Meeren seien Fische bedroht, an Land Vögel, die Plastik verschlucken und daran verenden.

Tatsächlich sind Plastiktüten in einigen Staaten schon verboten, zum Beispiel in Bangladesch, Teilen Chinas, Indiens und Mexikos. Auch in Kalifornien ist nun ein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden, und in Irland gibt es schon eine Tütenabgabe in Höhe von 22Cent.

Allerdings - so geben Kritiker zu bedenken - landet in Deutschland Plastikmüll seltener in der freien Natur und die Recyclingquote ist höher. In den genannten Staaten gibt es auch keine Mülltrennung wie hier. Für die Finanzierung des Dualen Systems zahlt der Verbraucher nämlich schon eine kleine Abgabe. Sie ist in dem Preis aller Produkte enthalten, die den Grünen Punkt tragen.

Einnahmen könnten in Entwicklung von abbaubarem Kunststoff fließen

In der Vorlage zur Novelle des Abfallgesetzes ist bisher keine Tütenabgabe vorgesehen. "Das Problem existiert in dieser Dimension bei uns nicht", sagte ein Sprecher des Umweltministeriums auf Anfrage. Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels steht dem Vorschlag ablehnend gegenüber. Das Problem sei in anderen Ländern viel größer.

Sollte sich die Tütenabgabe dennoch durchsetzen, bleibt die Frage, was mit den Einnahmen passiert. Die Grünen haben noch keinen konkreten Vorschlag, Umweltpolitikerin Steiner könnte sich aber eine Förderung der Weiterentwicklung von biologisch abbaubaren Kunststoffen vorstellen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer