Bei der ukrainischen Präsidentenwahl geht es um die Macht, nicht um Konzepte.

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Julia Timoschenko war 2004 die Siegerin der orangenen Revolution.

Julia Timoschenko war 2004 die Siegerin der orangenen Revolution.

dpa

Julia Timoschenko war 2004 die Siegerin der orangenen Revolution.

Kiew. Schaut man nur auf die Personen, erinnert alles an die Dezember-Tage 2004 in Kiew: Viktor Juschtschenko und Julia Timoschenko im orangenen Schal vor hundertausenden Anhängern im Dauerprotest, der angebliche Wahlfälscher Viktor Janukowitsch und seine "Blauen" vom "Block der Regionen" zurückgeworfen auf den russischsprachigen Osten. Drei Tage vor der ersten Runde der ukrainischen Präsidentenwahl stehen die drei wieder auf den Wahlzetteln. Und doch ist alles anders.

Die Wirtschaft der Ukraine liegt am Boden, die Bevölkerung ist verarmt

Geblieben ist die Spaltung des Landes, doch die Begeisterung und der nationalistische Taumel der "Orangenen Revolution" haben sich erschöpft. Die Wirtschaft liegt am Boden, 70 Prozent leben an der Armutsgrenze. Nur ein 16 Milliarden-Kredit des Währungsfonds und der Verzicht Russlands auf vertraglich vereinbarte Gaszahlungen retteten Kiew vor dem Staatsbankrott. Und die Allianzen von 2004 sind zerbrochen. Es ist kein Kampf der politischen Konzepte mehr, es ist ein Kampf der Persönlichkeiten. Allein der in Umfragen auf unter fünf Prozent gehandelte Präsident Juschtschenko versucht verzweifelt, mit antirussischen Ausfällen das extrem nationalistische Wählerreservoir auszuschöpfen.

Umfragen geben Janukowitsch zwischen 27 und 40 Prozent. Aber alle Beobachter sind sich einig, dass er in einer Stichwahl am 8. Februar gegen die amtierende Ministerpräsidentin Timoschenko antreten muss, die in Umfragen zwischen 17 und 25 Prozent erhält. Timoschenko, von ihrem einstigen Mitstreiter Juschtschenko inzwischen als "Pennerin" beschimpft, hatte anders als der Präsident den georgischen Angriff auf Südossetien nicht unterstützt, sondern mit Moskau gute Beziehungen aufgebaut. Als Timoschenko im Herbst zu Putin fliegen wollte, hatte Präsident Juschtschenko kurzerhand ihr Flugzeug für sich in Beschlag genommen. Die Ministerpräsidentin musste eine Chartermaschine nehmen. In Moskau sah man dann Timoschenko im freundschaftlichen Gespräch mit Putin, der vor der Kamera spottete, so sei es nun mal, wenn "Taschendiebe" an der Macht seien.

Zwar geben die Umfragen auch in der Stichwahl Janukowitsch die größeren Chancen, aber Timoschenko punktet mit ihrer vorsichtigen Annäherung an Moskau inzwischen auch im Osten der Ukraine. Wer auch immer gewinnt, wird vor allem die schwierigen inneren Probleme des Landes lösen müssen. Und dabei auf die Hilfe Russlands und des Westens gleichermaßen angewiesen sein.

Im ukrainischen Parlament, der Rada (Rat), herrscht ein Patt. 2007 erhielt Janukowitschs Block der Regionen 35 Prozent, der Block Timoschenko kam auf 30, Juschtschenkos "Selbstverteidigung" auf 14 Prozent. Stimmenkauf und Schlägereien sind an der Tagesordnung. 400 der 450 Abgeordneten sollen Dollar-Millionäre sein.

73 Prozent der 46 Millionen Einwohner sprechen Ukrainisch als Mutter- oder Zweitsprache, 75 Prozent sprechen Russisch. An den Unis wird meist russisch unterrichtet, weil ukrainische Lehrbücher und Lehrkräfte fehlen. Die Partei von Janukowitsch fordert die Gleichstellung des Russischen als zweite Amtssprache.

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