Außenminister Steinmeier will Wirtschaftskontakte ausbauen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (li.)informierte sich im Gespräch mit seinem irakischen Amtskollegen Hoshiyar Zebari über die Lage im Irak.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (li.)informierte sich im Gespräch mit seinem irakischen Amtskollegen Hoshiyar Zebari über die Lage im Irak.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (li.)informierte sich im Gespräch mit seinem irakischen Amtskollegen Hoshiyar Zebari über die Lage im Irak.

Reuters

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (li.)informierte sich im Gespräch mit seinem irakischen Amtskollegen Hoshiyar Zebari über die Lage im Irak.

Bagdad. Die irakische Regierung hat gespannt und ungeduldig auf diesen Besuch gewartet: Als erster deutscher Außenminister seit 22 Jahren traf Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstag in Bagdad ein.

Bis zur Landung der Bundeswehrmaschine in Bagdad wurde die Reise streng geheim gehalten - der Aufenthalt dort ist nach wie vor höchst gefährlich. Zwei Tage lang will Steinmeier in dem Land bleiben, dessen Wirtschaft und Infrastruktur nach der Gewaltherrschaft Saddam Husseins und der US-Invasion von 2003 darniederliegen.

Die irakischen Erwartungen an die Deutschen sind hoch

In Bagdad kam Steinmeier zunächst mit Staatspräsident Dschalal Talabani zusammen. Die Liste der Themen für gemeinsame Projekte ist lang: Ausbau der Wirtschaftskontakte, Flüchtlingshilfe, Menschenrechte. Und die irakischen Erwartungen an die Deutschen sind hoch.

"Es wäre großartig, wenn sie sich am Wiederaufbau noch mehr beteiligen würden", sagte Ministerpräsident Nuri el Maliki. Der Bau eines neuen Schienensystems mit Hilfe deutscher Firmen sei bereits vereinbart.

In der Delegation reisten sechs Wirtschaftsvertreter mit, unter anderem von Siemens, Daimler und der auf Infrastruktur und Logistiksysteme spezialisierten Demag AG. Daimler erwägt den Bau einer Fabrik für Lkw-Teile im Irak, Siemens hatte im Dezember einen Vertrag über die Lieferung von Komponenten für Kraftwerke und Stromleitungen mit einem Umfang von 1,5 Milliarden Euro geschlossen.

Ein neues Informationsbüro für die deutsche Wirtschaft, das Steinmeier in Bagdad eröffnete, soll Investoren als Anlaufstelle dienen. So soll an die lukrative Kooperation der 1980er Jahre angeknüpft werden, als das Irak-Geschäft jährlich vier Milliarden Euro ausmachte - 2007 betrug der Wert deutscher Exporte in den Irak nur 319 Millionen Euro.

Ob Straßen, Maschinen, Energieversorgung, Gesundheit, Kultur oder Bildung - überall im Irak gebe es "einen ungeheuren Nachholbedarf", sagt der Islamwissenschaftler Guido Steinberg. Als "Ölgroßmacht in Wartestellung" verfüge das Land über die notwendigen Ressourcen für den Wiederaufbau.

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