Analyse: Vor dem 50. Jahrestag des Aufstands in Tibet verstärkt China seine Truppenpräsenz.

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Vor dem 50. Jahrestag des Aufstandes in Tibet fürchtet der Dalai Lama eine Zunahme der Gewalt.

Vor dem 50. Jahrestag des Aufstandes in Tibet fürchtet der Dalai Lama eine Zunahme der Gewalt.

dpa

Vor dem 50. Jahrestag des Aufstandes in Tibet fürchtet der Dalai Lama eine Zunahme der Gewalt.

Peking. Am Dienstag jährt sich zum 50.Mal der Tag des gescheiterten Aufstands der Tibeter gegen die Vorherrschaft Chinas - und es herrscht Alarmstufe rot. Nach den Unruhen zum Jahrestag vor den Olympischen Spielen 2008 setzt Peking alles daran, neue Proteste zu verhindern und eine Nachrichtensperre zu verhängen. Chinesische Sicherheitskräfte verstärkten ihre Präsenz, Ausländer dürfen nach Angaben von Hotels im März nicht nach Tibet reisen, was Peking bestreitet. Am Samstag wurden nach Angaben der Internationalen Kampagne für Tibet zwei Frauen verhaftet, die im Südwesten Chinas pro-tibetische Flugblätter verteilten.

Am 10. März 1959 hatten sich die Tibeter gegen China erhoben, das 1950 einmarschiert war und Tibet im Jahr darauf zum Teil der Volksrepublik gemacht hatte. Im Zuge der blutigen Niederschlagung der Revolte starben damals mehr als 80000 Menschen, der Dalai Lama ging ins indische Exil. 1965 bekam Tibet den Status einer autonomen Region. Der Dalai Lama rief seine Anhänger vor dem Jahrestag auf, weiter seinem Pfad der Gewaltlosigkeit zu folgen. Auch äußerte er sich besorgt: Die Lage sei "sehr angespannt", es könne "jederzeit zu einer Gewalt-Explosion kommen".

Aus Treffen mit Tibetern, die in der Heimat geblieben seien, schließe er, dass "die Frustration" unter ihnen wachse. Umgekehrt hätten sich auch viele Chinesen in Tibet "Waffen zugelegt - und sie sind bereit zu schießen."

In London demonstrieren Tibeter gegen die chinesische Herrschaft

Im vergangenen Jahr waren bei den Unruhen in Tibet nach Angaben von Exil-Tibetern 200 Menschen ums Leben gekommen, Peking spricht dagegen von 21 Toten, für die "Aufrührer" die Verantwortung trugen. Bereits am Samstag gab es in London eine Demonstration gegen die chinesische Herrschaft in Tibet. Die Teilnehmer hielten Banner mit Aufschriften wie "Stoppt die Folter in Tibet".

Am Dienstag soll es am Sitz des Dalai Lama im indischen Dharamsala eine Kundgebung geben. "China sollte begreifen, dass wir keine Unabhängigkeit wollen und nicht gegen das chinesische Volk sind", sagte der Sprecher der tibetischen Exil-Regierung Sonam Dagpo. Er betonte das Ziel des Dalai Lama einer "gehaltvollen Autonomie", die es den Tibetern ermöglichen soll, ihre kulturelle Identität zu wahren.

Aus Angst vor einem neuen Ausbruch der Gewalt zum 50.Jahrestag des Aufstandes der Tibeter von 1959 hat der Dalai Lama seine Landsleute zur Zurückhaltung aufgerufen. Mit einem Aufstand spiele man Peking nur in die Hände. Es sei die Strategie der Chinesen, Gewalt zu provozieren, "weil sie ihre harte Gangart legitimieren wollen".

Die Regierung in Peking verschärfte ihre Vorwürfe gegen den Dalai Lama. Außenminister Yang Jiechi sagte, er wolle auf einem Viertel des chinesischen Territoriums ein "Großtibet" schaffen und von China abtrennen. Der Dalai Lama wolle "alle Chinesen und andere ethnische Gruppen" sowie die chinesischen Streitkräfte aus diesem Gebiet vertreiben. Er bezog sich auf ein exiltibetisches Memorandum, das "echte Autonomie" und weitreichende Selbstverwaltung der Tibeter auf ihrem alten Siedlungsgebiet fordert.

Bei den Unruhen vor einem Jahr, die um den Jahrestag ausbrachen, sind allein in Lhasa 953Tibeter festgenommen worden.

Auf einem Viertel Chinas leben heute sechs Millionen Tibeter, die Region Tibet macht etwa ein Achtel des Staatsgebiets aus.

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