Warum George Bush ein Held ist und Martin Luther King nicht.

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George Bush Sen.: Ein Held in texanischen Schulbüchern.

George Bush Sen.: Ein Held in texanischen Schulbüchern.

dpa

George Bush Sen.: Ein Held in texanischen Schulbüchern.

Washington. Texas will Geschichte schreiben oder, genauer gesagt, sie neu definieren: Demnach sind Ronald Reagan und beide George Bushs amerikanische Helden, während Bürgerrechtler wie Martin Luther King nur als Randfiguren in der Geschichte gelten. So wird es jedenfalls im neuen Schuljahr in texanischen Lehrbüchern stehen. Nun fürchten auch Eltern in anderen US-Staaten, die Politisierung der Schulbücher.

Zur besseren Erziehung wird die Realität "ins rechte Licht gerückt"

Lange hatte der republikanisch beherrschte Schulrat in der texanischen Hauptstadt Austin mit der Frage gerungen, wie man Lehrbücher umschreiben könnte, die nach konservativer Ansicht zu links sind. Mit einer Mehrheit von neun zu fünf Stimmen beschloss das Gremium, so Don McLeroy, früherer Vorsitzender des Schulrats, "im Interesse einer ausgewogenen Geschichtsbetrachtung und besseren Erziehung die Realität ins rechte Licht zu rücken".

Wer nicht für "christliche Werte" eintritt, hat im Buch nichts verloren

McLeroys "Realität" und die seiner Parteifreunde sieht so aus: Republikanische Präsidenten werden gefeiert, während bedeutungsvolle historische Figuren, die nicht immer für "christliche Werte" eintraten, marginalisiert werden. Dämonisiert werden die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen, die Amerikas politische Autonomie angeblich untergraben.

An keiner Stelle in der Verfassung, so werden es Lehrer künftig lehren, wird die Trennung von Kirche und Staat vorgeschrieben. Der Begriff des Kapitalismus verschwindet ab sofort aus den Geschichtsbüchern und wird durch "freie Marktwirtschaft" ersetzt.

Thomas Jefferson geht nicht mehr als großer amerikanischer Denker durch

Selbst unangefochtene amerikanische Helden werden heruntergestuft. Unter anderem sollte Thomas Jefferson, einer der Gründerväter der Nation, in den Schulbüchern nicht mehr als einer der "großen amerikanischen Denker" bezeichnet werden. Jeffersons Verbrechen, so der Schulrat in Austin: Er propagierte die Trennung von Kirche und Staat und öffnete damit anderen Religionsgruppen Tür und Tor.

Eltern befürchten jetzt, dass andere Staaten die Bücher auch anschaffen

Elternorganisationen in anderen Staaten wie Kalifornien, Florida und Virginia befürchten nun, dass ihre Kinder ebenfalls vor einer republikanischen Indoktrination des Schulunterrichts stehen könnten. "In Texas werden so viele Schulbücher verkauft, dass die Folge ein Bestsellereffekt sein könnte", erklärt Fritz Fischer von der historischen Stiftung "National Council for History Foundation".

Wenn allein in dem zweitgrößten US-Staat fast fünf Millionen Bücher mit revidierter Geschichte gekauft werden, dann würden auch andere Staaten aus Kostengründen erwägen, die umstrittenen Lehrbüchern für die öffentlichen Schulen zu beschaffen.

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