17 Millionen Afghanen sind am Donnerstag an die Urnen gerufen. Manipulationen werden befürchtet.

wza_500x324_544198.jpg
Frauen in traditioneller Burka.

Frauen in traditioneller Burka.

Frauen in traditioneller Burka.

Düsseldorf/Kundus. Die Flugblätter, die die radikal-islamischen Taliban dieser Tage in Afghanistan verteilen, sind eindeutig formuliert. "Jeden Finger, der bei der Stimmabgabe mit Tinte markiert wurde, werden wir abschneiden", warnen sie Wähler vor dem heutigen Urnengang. Die zweite Präsidentschaftswahl seit dem Sturz der Steinzeit-Islamisten Ende 2001 steht unter keinem guten Stern.

Um die Wahl zu boykottieren, überziehen die Taliban das Land mit einer Welle der Gewalt. Dabei wird am Verlauf der Stimmabgabe gemessen werden, wie erfolgreich der bisherige Demokratisierungsprozess ist - einschließlich der Arbeit der Isaf-Schutztruppe.

Berichte von verschwundenen Urnen und Scheinregistrierungen

An eine freie und faire Wahl nach westlichen Maßstäben ist am Hindukusch nicht zu denken. Manipulationen sind nicht schwer, auch wenn mit der Markierung der Finger Fälschungen und mehrfache Stimmabgaben verhindert werden sollen. Experten berichten schon jetzt von Scheinregistrierungen und verschwundenen Wahlurnen.

Und ausländische Wahlbeobachter haben bereits angekündigt, den besonders gefährlichen Gegenden fern zu bleiben. Einheimische Beobachter erwarten, dass sie nur in 65Prozent des Landes prüfen können. Die Wahlbehörde schätzt sogar, dass bis zu zwölf Prozent der Wahllokale ganz geschlossen bleiben. Die katastrophale Sicherheitslage könnte zudem dazu führen, dass ein Großteil der 17Millionen Wahlberechtigten aus Angst vor Anschlägen zu Hause bleibt.

Von dem Chaos profitieren dürfte Amtsinhaber Hamid Karsai. Persönlich blickt er auf eine magere Bilanz zurück. Er wird als "Bürgermeister von Kabul" verhöhnt. Seine Regierung muss sich Inkompetenz, Korruption und Drogengeschäfte vorwerfen lassen. Dennoch hat er Umfragen zufolge beste Chancen auf eine Wiederwahl, denn er versteht es wie kein anderer, Allianzen zu schmieden.

41 Kandidaten stehen zur Wahl. Der Augenarzt und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah könnte Karsai in eine Stichwahl zwingen. Er ist unter der Bevölkerung beliebt und verspricht, die tiefe Kluft zwischen der Regierung und dem einfachen Volk zu überwinden. Er setzt sich für eine Dezentralisierung der Machtstrukturen ein. Der Anthropologe Aschraf Ghani hat als einziger Kandidat einen "Zehnjahresplan" für die Entwicklung Afghanistans entwickelt. Er ist wie Karsai Paschtune und könnte ihm Stimmen der Volksgruppe wegnehmen.

Wegen eines umständlichen Auszählungsverfahrens wird erst am 17. September das offizielle Endergebnis erwartet. Sollte kein Kandidat im ersten Wahlgang mindestens 50Prozent der Stimmen erreichen, wird laut Wahlkommission für den 1.Oktober ein zweiter Urnengang angesetzt.

Dass er den Ex-Kriegsfürsten Mohammed Kasim Fahim als seinen Vize benennt, stößt zwar bei den UN übel auf. Denn Fahim werden gute Beziehungen zum kriminellen Milieu nachgesagt. Doch er sichert dem Paschtunen Karsai die Stimmen der Minderheit der Tadschiken, der Fahim angehört.

Wer letztlich gewinnt, entscheidet sich woanders. In den ländlichen Gebieten, in denen Analphabeten den Großteil der Bevölkerung stellen, haben die Menschen keine Vorstellung von Demokratie. Deshalb ist es für sie ganz natürlich, dass Stammesführer oder Geistliche sagen, wo das Kreuzchen gemacht wird.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer