Jubiläum: In Bremen und Berlin feiern Hunderttausende den 20. Jahrestag der deutschen Einheit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich bei der zentralen Gedenkfeier in Bremen mit Bürgern.
Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich bei der zentralen Gedenkfeier in Bremen mit Bürgern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich bei der zentralen Gedenkfeier in Bremen mit Bürgern.

dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich bei der zentralen Gedenkfeier in Bremen mit Bürgern.

Bremen. Die Bilder von jubelnden Menschenmassen in ganz Deutschland gingen vor 20 Jahren um die ganze Welt. Das Jubiläum der Deutschen Einheit feiern die Spitzen der deutschen Politik jedoch eher ruhig, nachdenklich und sehr staatstragend. Mit Gottesdienst und Festakt erinnern sie gestern in Bremen an die Erfolgsgeschichte der Wiedervereinigung und mahnen zugleich vor einer Spaltung der Gesellschaft.

Partystimmung herrscht dagegen auf dem Bürgerfest in der Überseestadt. Rockbands heizen auf mehreren Bühnen die Stimmung an, in der Luft hängt der Duft von Currywurst und Leberkäse. Besucher drängen sich bei strahlendem Sonnenschein auf der Festmeile, wo sich die Bundesländer und die Verfassungsorgane präsentieren.

Bremer Philharmoniker spielen zu bewegenden Bildern der Wendezeit

Das Gelände um die Bremen Arena ist weiträumig abgesperrt. Polizisten auf Pferden patrouillieren an den Sicherheitszäunen. Mit Blaulicht und Sirenen fahren die Ehrengäste in Kolonnen vor, darunter auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vertreter von Bundestag und Bundesrat sowie Gäste aus dem Ausland.

Als Wulff die Halle betritt, erhebt sich das Publikum von den Stühlen. Die Bremer Philharmoniker spielen zu den bewegenden Bildern der Wendezeit, die die mehr als 1000 Zuschauer auf segelförmigen Leinwänden verfolgen: die Mauer, der Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt und immer wieder die Bürger in beiden Teilen Deutschlands.

"Ihr Mut hat die Welt beeindruckt", sagt Bundespräsident Christian Wulff später in seiner Rede. Niemand habe damals gewusst, ob eine friedliche Wende gelingen würde. Trotzdem hätten die Menschen gekämpft - und damit auch den Weg zu einem vereinten Europa bereitet.

Historische Bilder laufen auf Video-Wänden

Auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es in Berlin noch Vorbehalte zwischen Ost und West. Wie aus einer Forsa- Umfrage hervorgeht, ist ein Viertel aller Hauptstädter der Meinung, die Animositäten seien gleich groß wie damals. 16Prozent der 1006 repräsentativ Befragten gaben an, die Vorbehalte gegenüber den Menschen in Ost und West seien größer geworden. Immerhin knapp die Hälfte der Berliner ist überzeugt, dass sich die Vorurteile wesentlich verringert haben.

Einig sind sich die meisten Berliner, dass sich die Außenwirkung Berlins verbessert hat. 79 Prozent der Befragten finden, dass das Ansehen der Stadt seit der Wiedervereinigung 1990 gestiegen ist.

Feierstimmung auch in der Hauptstadt: Zehntausende flanieren bei sonnigem Herbstwetter auf der Festmeile am Brandenburger Tor. Auch hier laufen die Bilder jener Tage auf Videowänden und der Fassade des Reichstags vor den Zuschauern ab: wildfremde Menschen, die sich an den geöffneten Grenzübergängen in den Armen liegen, Trabis, die mit Hubkonzerten über den Berliner Kudamm rollen, und Mauerspechte, die am ehemaligen Todesstreifen mit Hammer und Stemmeisen dem "antifaschistischen Wall gegen den Kapitalismus" zu Leibe rücken. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagt, auch bei selbstkritischer Betrachtung der vergangenen Jahre hätten alle miteinander Anlass zu "stillem Stolz und lauter Dankbarkeit, der Westen gegenüber dem Osten nicht weniger als umgekehrt".

Abgeordnetenhaus und Senat erinnern bereits am Samstag mit einer gemeinsamen Feierstunde an die Wiedervereinigung Berlins. Der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck mahnt in seiner Rede mehr Integration und Verantwortung für sozial Schwache an.

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