Die Studienreform erhöht den Druck auf die Studenten. Ein neuer Trend sind leistungssteigernde Medikamente.

Düsseldorf. Sie fühlen sich wie "Hamster im Laufrad": Seit Tagen protestieren Studenten deutschlandweit gegen die Stofffülle und die Studienbedingungen in den neuen Bachelor-Studiengängen, gegen Studiengebühren und den Numerus Clausus.

Weil viele dem Druck des Studiums nicht mehr gewachsen sind, nehmen Schlafstörungen, Depressionen oder Kopfschmerzen zu. Bei den psychologischen Beratungsstellen der Universitäten stieg allein im vergangenen Jahr die Zahl der dort Hilfe Suchenden um mehr als 20 Prozent.

Ärzte warnen zudem vor einem neuen Trend, der mit der steigenden Belastung der Studenten einhergeht: Um ihre Leistung zu steigern oder sich auf Prüfungen vorzubereiten, greifen immer mehr Studenten zu sogenannten "Neuroenhancern", die den Botenstoff Dopamin enthalten.

Dopamin ist dafür bekannt, den Denk- und Lernprozess im Gehirn zu verstärken. Zu den gängigen "Neuroenhancern" gehört Retalin, mit dem eigentlich Kinder behandelt werden, die unter bestimmten Aufmerksamkeitsstörungen leiden.

Mit der Pille zur Bestnote? Während in den USA einer aktuellen Studie zufolge 16 bis 25 Prozent aller Studenten vor Prüfungen entsprechende Medikamente nutzen, gibt es bislang noch keine repräsentativen Erhebungen in Deutschland. Nach einer Untersuchung der Deutschen Angestellten Krankenkasse betreiben hierzulande etwa 1,5 bis drei Prozent der Arbeitnehmer Gehirndoping.

Ärzte warnen bereits vor den Spätfolgen der Einnahme, da vor allem Bewusstseinsveränderungen nicht ausgeschlossen werden.

Derweil zeigen die aktuellen Demonstrationen und Hörsaalbesetzungen der Studenten Wirkung: Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) kündigte Reformen bei den Bachelor-Studiengängen an.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer