Aus Frust über die Situation an den Hochschulen geht der „Bildungsstreik 2009“ in eine zweite Runde.

Düsseldorf. Es begann Mitte Oktober in Österreich. Studenten besetzten Hörsäle in zahlreichen Universitäten des Landes, um für bessere Studienbedingungen zu demonstrieren.

Die Proteste sind längst über die Grenze geschwappt, und seit Mitte der Woche bietet sich das gleiche Bild in rund 20 deutschen Städten: Unter der Überschrift "Bildungsstreik 2009" kampieren junge Menschen in Hörsälen, setzen Hochschulleitungen und Politik unter Druck.

Im Sommer waren die Studenten in Deutschland schon einmal auf die Straße gegangen. Es wurde bunt und wütend demonstriert, blockiert und besetzt.

Die Hauptforderungen von damals sind die gleichen geblieben: Nein zu Studiengebühren, eine Novellierung der Bachelor- und Masterstudiengänge sowie eine Abschaffung der Zulassungsbeschränkungen zum Master.

Der Schwarze Peter liegt jetzt bei den Ländern

Vor allem die "Bologna-Reform", die vor zehn Jahren von europäischen Wissenschaftsministern auf den Weg gebracht wurde und das Studium schneller, praxisnäher und internationaler machen sollte, erregt den Unmut der Studenten. Die straff organisierte Studienordnung lässt keine Zeit zur Vertiefung der Inhalte, dazu kommen überfüllte Hörsäle und eine vielfach schlechte Betreuung. Die Folge: Jeder Dritte bricht sein Bachelor-Studium ab.

An der Universität Duisburg-Essen halten Studenten das Duisburger Audimax (Foto) besetzt. Der Rektor drohte am Freitag mit der Polizei. An der RWTH Aachen besetzen Studenten einen Hörsaal. In Bielefeld rückte am Freitag die Polizei an, um das besetzte Audimax zu räumen. Die Studenten hatten den Hörsaal jedoch vorher verlassen. An der Uni Münster belegten Studenten einen Hörsaal für mehrere Stunden.

Für Dienstag, 17. November, sind bundesweit Demonstrationen geplant. Vom 30. November bis 6. Dezember soll eine Aktionswoche unter dem Motto "Education ist not for sale" (Bildung gibt es nicht im Ausverkauf) stehen. Auch im Ausland wollen sich Schüler und Studenten an den Aktionen beteiligen.

Am 10. Dezember sollen die Kultusminister nach Ende ihrer turnusmäßigen Konferenz "nachsitzen": Streikende wollen die Zufahrtsstraßen zum Konferenzort in Bonn blockieren.

Die Hausherren sehen die Protestaktionen derzeit noch gelassen, auch wenn die Unis in Tübingen und in Bielefeld bereits besetzte Hörsäle von der Polizei räumen ließen. Der Schwarze Peter liegt jedoch bei den Ländern. Diese hatten im Oktober einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, der deutliche Korrekturen an der "Bologna-Reform" vorsieht.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) forderte die Länder am Freitag auf, den mit der Einführung der gestuften Studienabschlüsse verbundenen finanziellen Mehrbedarf für die Lehre anzuerkennen und die Grundfinanzierung sicherzustellen - also mehr Personal in der Lehre, um die Qualität des Studiums sicherzustellen. "Es gibt unbestritten an etlichen Stellen Nachbesserungsbedarf", betonte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel.

Ähnlich sieht es Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Studierenden bräuchten klare Signale, dass es die verabredeten Korrekturen geben werde - etwa eine Entschlackung der Studiengänge, sagte Schavan in einem Interview mit dem Südwestrundfunk.

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