150 kommunale Energieerzeuger drohen mit einem Investitionsstopp, falls die Großkonzerne bevorzugt werden.

Düsseldorf. Bei der umstrittenen Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke bahnt sich neuer Ärger an - diesmal im eigenen Lager der Stromerzeuger. So haben sich laut "Handelsblatt" 150 der rund 800 Stadtwerke in Deutschland zu einer Art "Anti-Atom-Allianz" zusammengeschlossen und drängen die Bundesregierung, die Verlängerungspläne aufzugeben. Vor allem Stadtwerke aus Nordrhein-Westfalen sind an dem Vorstoß beteiligt.

Kommt es dennoch zu einer Verlängerung, solle Berlin dafür sorgen, dass die vier Atomstrom-Konzerne RWE, Eon, Vattenfall und EnBW verpflichtet werden, im Gegenzug alte Kohlekraftwerke stillzulegen.

Mit längeren Laufzeiten würde die Vormachtstellung der vier Großkonzerne auf Jahre festgeschrieben, heißt es in einem Gutachten, das die Stadtwerke offiziell am Montag vorstellen wollen.

Darin drohen die Stadtwerke und Regionalversorger auch, ihre eigenen Investitionen in neue, klimafreundliche Kraftwerke zu stoppen, falls sie bei der Politik kein Gehör finden. Die Drohung hat Gewicht: Die Stadtwerke, die derzeit etwa zehn Prozent des deutschen Stroms erzeugen, planen Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe.

Mit ihrem Vorstoß erschweren die Stadtwerke den Plan der schwarz-gelben Koalition, die Laufzeiten der 17 deutschen Reaktoren über das Jahr 2022 hinaus zu verlängern. Das Thema ist auch innerhalb der Koalition umstritten. Während Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dafür plädiert, die Laufzeiten nur um wenige Jahre zu verlängern, sprechen sich der Wirtschaftsflügel der Union und die FDP für eine großzügigere Regelung aus.

Unstrittig ist bisher nur, dass mindestens die Hälfte der zusätzlichen Gewinne durch den längeren Betrieb an die öffentliche Hand fließen sollen. Die Stadtwerke wollen mehr: Sie fordern, dass die Zusatzgewinne komplett abgeschöpft werden.

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