Der ehemalige Waffenlobbyist will den Christsozialen Millionen-Beträge auf verdeckte Konten überwiesen haben.

Augsburg. Mit der Aufdeckung einer angeblich makaberen CSU-Spendenpraxis hat der Ex-Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber (Foto) seine Ankündigung wahr gemacht und die CSU attackiert.

Immer wieder hatte er in den Jahren zuvor aus seinem Exil in Kanada gedroht, die Partei mit Enthüllungen in Bedrängnis zu bringen.

Vor dem Landgericht Augsburg ließ er am Mittwoch durch seinen Münchner Anwalt Jan Olaf Leisner eine Erklärung verlesen, die der CSU noch mächtig Ärger bereiten könnte, auch wenn diese abwiegelt und von "altbekannten Vorwürfen" spricht.

Was Schreiber am zweiten Verhandlungstag seines Prozesses wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe zum Betrug mitteilen ließ, birgt politischen Sprengstoff: Er will der CSU Millionenbeträge in verdeckte Kassen überwiesen haben.

Das Perfide daran ist, dass diese Beträge mit den Namen von Toten aus Zeitungsanzeigen getarnt in die Parteikasse gestückelt worden sein sollen. Und: Der CSU-Übervater Franz Josef Strauß soll von diesen Machenschaften gewusst haben.

Die Spendenpraxis beschreibt Schreiber vor Gericht in seiner Erklärung so: Der frühere CSU-Justiziar und Spendeneintreiber Franz Josef Dannecker habe dafür gesorgt, dass unzulässige Spenden gestückelt wurden.

"Dafür hat er oft Todesanzeigen aus den Zeitungen genommen und irgendwelche verstorbenen Personen als angebliche Spender eingetragen. Dann wurden die Großspenden auf mehrere angebliche Spender aufgeteilt, damit man mit den Einzelbeträgen unter der meldepflichtigen Schwelle blieb. Verstorbene hat Herr Dannecker natürlich deswegen genommen, weil man sie nicht mehr fragen kann."

Wie schon so oft stellt Karlheinz Schreiber viele seiner Behauptungen in den Raum, ohne dafür schlüssige Beweise vorlegen zu können. Auch die von ihm genannten Personen können vor Gericht nicht mehr aussagen: Dannecker starb im Jahr 1992, Strauß bereits 1988.

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