Eine Mitarbeiterin bringt den Sender in Erklärungsnot: Gibt es Anweisungen für positive Berichte über Flüchtlinge?

Eine Mitarbeiterin bringt den Sender in Erklärungsnot: Gibt es Anweisungen für positive Berichte über Flüchtlinge?
Am linken Bildrand ist der Übertragungswagen des WDR zu sehen. Bildrechte: Markus Böhm/Top24News

Am linken Bildrand ist der Übertragungswagen des WDR zu sehen. Bildrechte: Markus Böhm/Top24News

Am linken Bildrand ist der Übertragungswagen des WDR zu sehen. Bildrechte: Markus Böhm/Top24News

Düsseldorf/Köln. Der niederländische Radiosender Limburg 1 konnte am Sonntag mit einer kleinen Sensation aufwarten: „Journalisten des WDR haben den Auftrag, positiv über Flüchtlingsfragen zu berichten“, titelte der Sender auf seiner Homepage. Eine langjährige Mitarbeiterin des WDR-Studios Aachen erklärte in einer Diskussionssendung des Radios: „Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten.“

„Aussagen einer freien Mitarbeiterin dazu sind falsch“
Ingrid Schmitz, WDR-Sprecherin

Der WDR reagierte prompt und erklärte am Montag, es gebe keine Vorgaben für die Berichterstattung. „Der WDR ist entsetzt über dieses Gerücht. Aussagen einer freien Mitarbeiterin dazu sind falsch“, so die stellvertretende WDR-Sprecherin Ingrid Schmitz.

Die freie WDR-Journalistin hatte auf dem niederländischen Sender allerdings nicht nur behauptet, als öffentlich-rechtlicher Sender müsse der WDR eher eine „Regierungsstimme“ als eine „Oppositionsstimme“ haben. Sie hatte dort auch erklärt, es gebe „Ausschüsse“, die die Richtung der Berichterstattung zu bestimmten Themen festlegten.

Während etliche Medien sich vergebens bemühten, eine Stellungnahme der WDR-Mitarbeiterin zu diesen Aussagen zu bekommen, gelang dem WDR dies sehr wohl. Er zitierte die Mitarbeiterin in einer Pressemitteilung am Mittag so: „Ich habe an dieser Stelle Unsinn geredet. Unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde habe ich totalen Quatsch verzapft. Mir ist das ungeheuer peinlich. Denn ich bin niemals als freie Journalistin aufgefordert worden, tendenziös zu berichten oder einen Bericht in eine bestimmte Richtung zuzuspitzen.“

Die Berichterstattung des WDR und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolge nach höchsten journalistischen Standards, so WDR-Sprecherin Schmitz, ausgewogen und unabhängig: „Das gilt für die gesamte Berichterstattung, auch für die über Flüchtlinge.“

Der niederländische Radiobeitrag ist nicht nur Wasser auf die Mühlen von Verschwörungs-Theoretikern. Nach den Silvester-Ereignissen warfen auch Politiker von CDU und CSU dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor, sich am Verschweigen von Vorfällen zu beteiligen. Den Vorwurf, die Dinge schönfärben zu wollen, hatte sich bereits im vergangenen August Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD aktuell (Redaktion der Tagesschau), eingefangen, als er zur Haltung der ARD in Sachen Flüchtlingsberichterstattung in seinem Blog erklärte, man lege „ein besonderes Augenmerk auf Menschen, Initiativen und Organisationen, die sich konstruktiv mit den Fragen auseinandersetzen.“

Bereits unmittelbar nach der Silvesternacht staunten Fernsehzuschauer zunächst, weil der WDR weder mit eigenen Berichten noch mit Bildern von der Domplatte und dem Bahnhofsbereich aufwarten konnte – obwohl der Sender praktisch direkt vor seiner Haustür live von der Silvesternacht in Köln berichtete. Und eigentlich direkter Zeuge des Geschehens hätte sein können.

Ein Video eines privaten TV-Nachrichtenanbieters auf Youtube zeigt, dass der WDR auf der Domplatte in Höhe des Dom-Forums sogar mit einem Satellitenfahrzeug vertreten war – was WDR-Sprecherin Schmitz auf Anfrage unserer Zeitung am Montag bestätigte. Und: „Ich kann versichern, dass es keine Anweisungen oder Entscheidungen für eine Nicht-Berichterstattung gegeben hat.“

Für die Live-Berichterstattung der Silvesternacht sei der WDR „mit der für ein solches Ereignis üblichen Besetzung“ an verschiedenen Plätzen in Köln vor Ort gewesen, auch im hinteren Teil der Domplatte. Aber, so Schmitz: „Dort waren zum Zeitpunkt der Dreharbeiten vor Mitternacht und bis kurz nach Mitternacht sexuelle Übergriffe auf Frauen im und direkt vor dem tieferliegenden Bahnhof in keiner Weise zu erkennen.“ Die Kollegen hätten „bis in die Nacht“ in kontinuierlichem Kontakt mit der Einsatzleitstelle der Kölner Polizei gestanden, aber auch auf direkte Anfragen keine Informationen über besondere Vorkommnisse oder gar Hinweise auf sexuelle Übergriffe auf Frauen erhalten.

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