Waren die Übergriffe von Köln und Hamburg eine abgesprochene Sache? Bundesjustizminister Maas hält das zumindest für möglich. Die Polizei muss sich gegen heftige Kritik wehren. Zu spät habe sie auf die Anzeigen reagiert. Und zu wenig sei bekannt über die Täter.

Nach den Übergriffen auf Frauen weiß die Kölner Polizei noch nicht, wer die Täter sind. Die extra für den Komplex eingerichtete Ermittlungsgruppe will weiteres Videomaterial sichten und vorliegende Aufzeichnungen auswerten. Foto: Oliver Berg/Archiv
Nach den Übergriffen auf Frauen weiß die Kölner Polizei noch nicht, wer die Täter sind. Die extra für den Komplex eingerichtete Ermittlungsgruppe will weiteres Videomaterial sichten und vorliegende Aufzeichnungen auswerten. Foto: Oliver Berg/Archiv

Nach den Übergriffen auf Frauen weiß die Kölner Polizei noch nicht, wer die Täter sind. Die extra für den Komplex eingerichtete Ermittlungsgruppe will weiteres Videomaterial sichten und vorliegende Aufzeichnungen auswerten. Foto: Oliver Berg/Archiv

dpa

Nach den Übergriffen auf Frauen weiß die Kölner Polizei noch nicht, wer die Täter sind. Die extra für den Komplex eingerichtete Ermittlungsgruppe will weiteres Videomaterial sichten und vorliegende Aufzeichnungen auswerten. Foto: Oliver Berg/Archiv

Köln (dpa) - Nach den Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln und Hamburg hat die Polizei eine erste Spur. Drei mutmaßliche Täter wurden nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) ermittelt, festgenommen wurde aber niemand. Die Männer könnten zu einer größeren Gruppe gehören, die in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof Frauen belästigt, misshandelt und ausgeraubt haben soll.

Unterdessen prüft die Polizei eine mögliche Absprache vor den Übergriffen in Köln und ähnlichen Vorfällen in Hamburg. „Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,“ sagte Bundesjustizminister Heiko Maas am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.“ So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

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Nicht nur in Köln wurden etliche Anzeigen registriert, sexuelle Übergriffe gab es an Silvester auch in Hamburg. Auf der Reeperbahn wurden Frauen nach Polizeiangaben jeweils von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht.

Inzwischen gingen nach Polizeiangaben in Köln mehr als 100 Anzeigen von mutmaßlichen Opfern ein, davon haben drei Viertel einen sexuellen Hintergrund. „Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden“, sagte eine Polizeisprecherin. Zwei Drittel der Opfer seien zum Feiern in die Domstadt gereist, hieß es.

Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Die Polizei spricht von einer sehr schwierigen Beweisführung. Das liege vor allem an der „Gemengelage“ in der Silvesternacht.

Vor allem Polizei und Stadtspitze standen auch am Mittwoch in der Kritik. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bemängelte in den ARD-„Tagesthemen“ den Einsatz der Kölner Beamten: „Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten.“

Die Kölner Polizeiführung räumte zwar ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt. Kritik am Einsatz wies sie allerdings zurück. „Wir waren nicht überfordert“, sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. Das ganze Ausmaß der Vorfälle sei erst später klar geworden. Einen Rücktritt schließt Albers aus. Auf die Frage, ob er im Amt bleibe, sagte er am Mittwoch in einem Interview auf WDR 5: „Aber natürlich. Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt.“

Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) muss sich gegen Vorwürfe wehren. Sie zog mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. „Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“, hatte sie vor Journalisten auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne. Unter dem Hashtag #einearmlaenge häuften sich daraufhin spöttische Kommentare. Justizminister Maas schrieb auf Twitter: „Nicht Frauen tragen Verantwortung, sondern Täter.“

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